
Achillessehnenverletzungen
Die Achillessehne verbindet die Wadenmuskulatur mit dem Fersenbein und ist die kräftigste Sehne des Körpers. Beim Gehen, Laufen und Springen trägt sie sehr hohe Lasten. An dieser Sehne treten zwei unterschiedliche Probleme auf: die allmählich entstehende Tendinopathie und die plötzliche Ruptur. Beschwerden und Behandlung unterscheiden sich deutlich.
Welche Aufgabe hat die Achillessehne?
Die Wadenmuskeln Gastrocnemius und Soleus setzen über die Achillessehne am Fersenbein an. Diese Sehne erzeugt die Bewegung, die den Fuß nach unten drückt (Zehenstand). Beim Gehen wirkt ein Mehrfaches des Körpergewichts, beim Laufen und Springen deutlich mehr. Im fersennahen Abschnitt ist die Durchblutung vergleichsweise gering; dort treten Probleme am häufigsten auf.

Achillessehnen-Tendinopathie (das allmähliche Problem)
Durch wiederholte Belastung entstehen Verschleiß und strukturelle Veränderungen im Sehnengewebe. Früher sprach man von „Tendinitis“; da im Gewebe jedoch weniger eine Entzündung als eine Degeneration vorliegt, wird heute der Begriff Tendinopathie bevorzugt. Diese Unterscheidung ändert auch die Behandlung: Da das Problem nicht allein eine Entzündung ist, reichen Schonung und Schmerzmittel nicht aus.
Beschwerden
- Schmerz und Druckempfindlichkeit 2–6 cm oberhalb der Ferse
- Deutliche Steifigkeit und Schmerzen bei den ersten Schritten am Morgen
- Schmerz, der beim Aufwärmen nachlässt und nach der Belastung wieder zunimmt
- Tastbare Verdickung oder Knoten in der Sehne
- Schwierigkeiten beim Zehenstand
Risikofaktoren
- Plötzliche Steigerung der Trainingsbelastung (Distanz, Tempo oder Steigung)
- Verkürzte Wadenmuskulatur und eingeschränkte Sprunggelenkbeweglichkeit
- Ungeeignetes Schuhwerk oder Wechsel des Untergrunds
- Unterschiede in der Fußstellung
- Bestimmte Medikamente (Fluorchinolon-Antibiotika, Kortikosteroide) — bitte unbedingt angeben
- Diabetes, Übergewicht und höheres Lebensalter
Behandlung
Grundpfeiler der Behandlung ist das exzentrische Kräftigungstraining — kontrollierte „Absenk“-Bewegungen, bei denen der Muskel unter Anspannung verlängert wird. Damit dieses Programm wirkt, muss es über Wochen regelmäßig fortgeführt werden; Ergebnisse innerhalb weniger Tage sind nicht zu erwarten.
- Vorübergehende Reduktion der schmerzauslösenden Aktivität (kein vollständiger Verzicht)
- Exzentrisches Kräftigungsprogramm für die Wade
- Verbesserung der Beweglichkeit von Wade und Sprunggelenk
- Fersenerhöhung oder geeignete Schuhunterstützung
- Belastungssteuerung: schrittweise Anpassung des Trainingsumfangs
- Bei therapieresistenten Verläufen können nach ärztlicher Beurteilung weitere Optionen infrage kommen
Wichtig: Eine Kortisoninjektion in die Achillessehne wird in der Regel nicht empfohlen, da sie das Rupturrisiko erhöhen kann. Eine Entscheidung darüber trifft ausschließlich die Ärztin oder der Arzt je nach Injektionsort.
Achillessehnenruptur
Sie tritt meist im Alter von etwa 30–50 Jahren bei Personen auf, die nicht regelmäßig trainieren, aber gelegentlich intensiv aktiv sind — bei Sportarten mit plötzlicher Beschleunigung und Sprüngen wie Fußball, Basketball und Tennis. Die klassische Beschreibung ist eindeutig: das Gefühl, von hinten getreten worden zu sein, ein hörbares „Knacken“ und danach die Unfähigkeit, in den Zehenstand zu gehen.
Beschwerden
- Plötzlicher, scharfer Schmerz und ein Gefühl des „Reißens“
- Unfähigkeit zum Zehenstand, Verlust der Abstoßkraft
- Gehen auf der Ferse möglich, normales Gehen nicht
- Tastbare Delle im Verlauf der Sehne
- Schwellung und Bluterguss
Bei Teilrupturen oder ausgeprägter Schwellung kann die Diagnose übersehen werden. Deshalb sollte bei dieser Schilderung die Achillessehne stets ausführlich untersucht werden.
Diagnostik
Die Diagnose wird meist klinisch gestellt; fehlt beim Zusammendrücken der Wade (Thompson-Test) die Fußbewegung, spricht das für eine Ruptur. Bei Bedarf werden mit Ultraschall oder MRT Ort der Ruptur, Vollständigkeit und Abstand der Sehnenenden beurteilt.
Behandlungsoptionen
Bei einer Achillessehnenruptur können sowohl operative als auch nicht operative (funktionelle Gips-/Orthesenbehandlung) Verfahren angewandt werden. Heute werden mit beiden gute Ergebnisse berichtet; die Wahl erfolgt unter Abwägung von Alter, Aktivitätsniveau, beruflichen und sportlichen Zielen, Rupturform, Begleiterkrankungen und Behandlungsbeginn.
- Nicht operative Behandlung: Nachbehandlung in Orthese/Gips, zunächst in Spitzfußstellung und schrittweise in Neutralstellung. Frühe kontrollierte Belastungsprotokolle sind möglich.
- Operative Behandlung: Naht der Sehnenenden, offen oder minimalinvasiv.
Bei beiden Vorgehensweisen beeinflusst die Mitarbeit im Rehabilitationsprogramm das Ergebnis unmittelbar. Frühe unkontrollierte Belastung erhöht das Risiko einer erneuten Ruptur.
Der Heilungsverlauf
Die Heilung verläuft stufenweise: Schonung → kontrollierte Bewegung → Belastung → Kräftigung → sportartspezifisches Training. Die Dauer der Phasen unterscheidet sich je nach Person, Behandlung und Heilungsverlauf. Ein Kraftdefizit der Wade kann eine Zeit lang bestehen bleiben; deshalb wird die Kräftigung langfristig fortgeführt.
Rückkehr zum Sport
Die Entscheidung zur Rückkehr in den Sport wird anhand messbarer Ziele getroffen, nicht nach dem Kalender. Die verstrichene Zeit allein ist kein ausreichendes Kriterium; eine zu frühe Rückkehr erhöht das Risiko einer erneuten Verletzung.
- Schmerzfreie und vollständige Beweglichkeit
- Muskelkraft und Ausdauer nahe der gesunden Seite
- Wiedergewonnenes Gleichgewicht und Positionsgefühl (Propriozeption)
- Sportartspezifische Bewegungen kontrolliert und schmerzfrei ausführen können
- Das Gefühl der Sportlerin oder des Sportlers, bereit zu sein — auch die psychische Bereitschaft ist ein Kriterium
Diese Kriterien werden von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt und Ihrer Physiotherapie beurteilt. Die Ergebnisse sind von Person zu Person unterschiedlich; auf dieser Seite wird keine Zusage zu einem bestimmten Zeitraum oder Ergebnis gemacht.
Wann Sie unverzüglich ärztliche Hilfe suchen sollten
- Den verletzten Bereich gar nicht belasten oder keine paar Schritte gehen können
- Deutliche Fehlstellung (Knochen oder Gelenk wirken nicht an ihrem Platz)
- Rasch zunehmende, pralle und schmerzhafte Schwellung
- Bläuliche Verfärbung, Blässe, Kälte oder zunehmendes Taubheitsgefühl an Fingern bzw. Zehen
- Ein hörbares „Knacken“ mit anschließendem Kraftverlust
- Gelenkrötung und Überwärmung zusammen mit Fieber
- Plötzliches „Knacken“ im Achillesbereich mit anschließender Unfähigkeit zum Zehenstand
- Einseitiger Wadenschmerz mit Schwellung und Druckempfindlichkeit (kann auf eine Thrombose hinweisen)
Diese Befunde erfordern eine dringende Abklärung. Außerhalb der Sprechzeiten wenden Sie sich an die nächste Notaufnahme.
Häufig gestellte Fragen
Meine Achillessehne ist gerissen — muss ich unbedingt operiert werden?
Nein. Bei einer Achillessehnenruptur sind operative und nicht operative Behandlung möglich, und mit beiden werden gute Ergebnisse berichtet. Die Wahl erfolgt nach Alter, Aktivitätsniveau, Rupturform, Behandlungsbeginn und Begleiterkrankungen. Diese Entscheidung treffen Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt nach der Untersuchung.
Ich kann auf der Ferse gehen — dann ist sie doch nicht gerissen?
Das ist kein verlässliches Kriterium. Selbst bei vollständig gerissener Achillessehne ist das Gehen auf der Ferse möglich, weil andere Muskeln kompensieren. Das entscheidende Zeichen ist die Unfähigkeit zum Zehenstand. Lassen Sie sich im Zweifel untersuchen.
Meine Achillesschmerzen sind morgens stark und lassen tagsüber nach — ist das normal?
Deutliche Steifigkeit und Schmerzen bei den ersten Schritten am Morgen, die beim Aufwärmen nachlassen, sind die typische Schilderung einer Achillessehnen-Tendinopathie. Sie sollten nicht ignoriert werden, nur weil sie „vergehen“; ein früh begonnenes Übungsprogramm erleichtert den Verlauf.
Reicht Schonung bei einer Tendinopathie?
In der Regel nicht. Vollständige Schonung kann den Schmerz vorübergehend verringern, erhöht aber nicht die Belastbarkeit des Sehnengewebes; bei Wiederaufnahme der Aktivität kehren die Beschwerden zurück. Grundlage der Behandlung sind schrittweise Belastung und exzentrische Kräftigung.
Kann man Kortison in die Achillessehne spritzen?
Eine Kortisoninjektion in die Sehne wird in der Regel nicht empfohlen, da sie das Rupturrisiko erhöhen kann. Über eine Injektion entscheidet ausschließlich die Ärztin oder der Arzt je nach Injektionsort und klinischer Situation.
Kann ich nach der Behandlung wieder Sport treiben?
Die Rückkehr zum Sport hängt von der angewandten Behandlung, dem Heilungsverlauf und den Anforderungen der Sportart ab. Die Entscheidung erfolgt nicht nach dem Kalender, sondern anhand von Kriterien: schmerzfreie Beweglichkeit, wiedererlangte Wadenkraft und sichere Ausführung sportartspezifischer Bewegungen.
Wissenschaftliche Arbeiten
Assoc. Prof. Dr. Bertan Cengiz hat wissenschaftliche Arbeiten zu Achillessehnenchirurgie sowie Fuß- und Sprunggelenkverletzungen und verwandten Bereichen in nationalen und internationalen Fachzeitschriften mit Peer-Review veröffentlicht. Die Publikationsliste und überprüfbare wissenschaftliche Quellen finden Sie auf der Seite Publikationen.
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Die Angaben auf dieser Seite dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine persönliche ärztliche Untersuchung. Für Diagnose und Behandlung ist die klinische Beurteilung des Arztes erforderlich. Die Ergebnisse von Behandlungen und chirurgischen Eingriffen können von Person zu Person unterschiedlich sein; auf dieser Seite wird keine Zusage zu einem bestimmten Ergebnis oder Zeitraum gemacht.
