
Fuß und Sprunggelenk
Der Fuß ist ein System aus 26 Knochen mit zahlreichen Gelenken, Bändern und Sehnen; er trägt die Last und passt sich zugleich der Bodenform an. Beschwerden in dieser Region entstehen oft nicht aus einer einzelnen Struktur, sondern aus einer gestörten Lastverteilung. Die Abklärung beschränkt sich deshalb nicht auf einen Punkt.
Unter dieser Überschrift behandelte Krankheitsbilder
- Sprunggelenkverstauchung und chronische Instabilität
- Achillessehnenverletzungen — Tendinopathie und Riss
- Fersensporn und Plantarfasziitis — Anlaufschmerz am Morgen
- Hallux valgus — Fehlstellung der Großzehe
- Impingementsyndrome des Sprunggelenks und Probleme im Gelenk — siehe Sprunggelenkarthroskopie
- Brüche an Fuß und Sprunggelenk — siehe Trauma und Frakturbehandlung
Der Ort des Schmerzes weist den Weg
Bei Fußbeschwerden grenzt der genaue Schmerzort die Möglichkeiten erheblich ein:
- Fußsohle der Ferse, zur Innenseite hin: Plantarfasziitis — der morgendliche Anlaufschmerz ist typisch
- Rückseite der Ferse, entlang der Achillessehne: Achillessehnenprobleme
- Außenseite des Sprunggelenks: Bandverletzung nach Verstauchung, chronische Instabilität
- Innenseite des Großzehengrundgelenks: Hallux valgus
- Unter dem Vorfuß: gestörte Lastverteilung, Schwielen und Metatarsalgie
Diese Zuordnungen sind ein Ausgangspunkt; die endgültige Beurteilung erfolgt in der Untersuchung.
Zwei häufig übersehene Punkte
- Wadenverkürzung: Die Spannung von Achillessehne und Wadenmuskulatur gehört zu den häufigsten korrigierbaren Faktoren bei Plantarfasziitis, Vorfußschmerz und Achillesproblemen. Ein Dehnprogramm ist deshalb Teil der meisten Behandlungspläne.
- Die Verstauchung, die nicht vergeht: Hinter manchen als „einfache Verstauchung“ abgetanen Verletzungen stecken ein Knorpelschaden, ein Impingementsyndrom oder eine nicht vollständig verheilte Bandverletzung. Wochenlang anhaltende Schwellung und Unsicherheit sollten abgeklärt werden.
Abklärung
- Anamnese: Verletzungsmechanismus, Ort und Zeitpunkt des Schmerzes, Gehstrecke, Schuhwerk und Untergrund, Veränderungen der Trainingsbelastung.
- Untersuchung: Stellung im Stehen und Sitzen, Lastverteilung, Beweglichkeit, Bandstabilitätstests, Waden- und Achillesspannung, Haut- und Schwielenbereiche.
- Röntgen im Stehen: für die richtige Beurteilung von Stellung und Winkeln gegenüber einer Aufnahme im Liegen erforderlich.
- MRT / Ultraschall: bei Sehnen-, Band- und Knorpelproblemen; bei Verdacht auf einen Bruch nach Verletzung ein CT.
Behandlungsansatz
Die große Mehrheit der Fuß- und Sprunggelenkprobleme wird ohne Operation beherrscht. Die Behandlung ruht auf vier Säulen:
- Belastungssteuerung: vorübergehende Reduktion der schmerzauslösenden Aktivität, Erhalt der Kondition mit Radfahren und Wassergymnastik
- Dehnen und Kräftigen: besonders Wadendehnung und Training der kurzen Fußmuskulatur
- Schuhwerk und Einlagen: stützende Schuhe und bei Bedarf individuell angefertigte Einlagen
- Schmerzbehandlung — Auswahl und Dauer der Medikation legt die Ärztin oder der Arzt fest
Eine Operation kommt in Betracht, wenn das nicht operative Programm nicht anspricht, der Alltag eingeschränkt ist oder eine strukturelle Korrektur nötig ist. Eine Kortisoninjektion in eine Sehne wird im Achillesbereich wegen der Rissgefahr besonders zurückhaltend beurteilt.
Wann sollten Sie sich vorstellen?
- Wenn Schwellung und Unsicherheit nach einer Verstauchung wochenlang anhalten
- Wenn Ihr morgendlicher Anlaufschmerz nicht abklingt
- Wenn das Tragen von Schuhen wegen der Schmerzen schwierig geworden ist
- Wenn an der Fersenrückseite Schwellung und Schmerz bestehen
- Wenn Sie Diabetes haben und eine Wunde oder Farbveränderung am Fuß bemerken
Wann Sie unverzüglich ärztliche Hilfe suchen sollten
- Nach einer Verletzung ist der Fuß nicht belastbar oder es besteht eine sichtbare Fehlstellung
- Mit „Reißgefühl“ beginnender Wadenschmerz und Unfähigkeit, sich auf die Zehenspitzen zu stellen (Verdacht auf Achillessehnenriss)
- Kältegefühl, Farbveränderung, Gefühlsverlust oder fehlender Puls am Fuß
- Bei Diabetes eine offene Wunde am Fuß mit Rötung und Fieber
- Einseitiger Schmerz, Schwellung und Druckempfindlichkeit in der Wade
Diese Befunde erfordern eine dringende Abklärung. Außerhalb der Sprechzeiten wenden Sie sich an die nächste Notaufnahme.
Häufig gestellte Fragen
Meine Verstauchung ist nicht abgeklungen — ist das normal?
Die meisten einfachen Verstauchungen bessern sich innerhalb von Wochen. Halten Schwellung, Schmerz oder Unsicherheit länger an, werden ein Knorpelschaden, ein Impingementsyndrom oder eine nicht vollständig verheilte Bandverletzung abgeklärt.
Brauche ich Einlagen?
Nicht jede Person. Ein Fersenpolster oder eine gewölbeunterstützende Einlage verringert die Beschwerden bei vielen; der Bedarf an einer individuell angefertigten Einlage wird nach dem Untersuchungsbefund beurteilt.
Muss ein Senkfuß immer behandelt werden?
Ein flexibler Senkfuß ohne Schmerzen und ohne Funktionseinschränkung braucht meist keine Behandlung. Kommen Schmerz, rasche Ermüdung oder eine Fehlstellung hinzu, wird eine Abklärung empfohlen.
Kann ich mir Kortison in den Achillesbereich spritzen lassen?
Eine Kortisoninjektion in die Achillessehne wird wegen der Rissgefahr in der Regel nicht empfohlen. Die Behandlung beruht auf schrittweise steigernder Übungstherapie und Belastungssteuerung.
Sind hohe Absätze schädlich?
Dauerhaftes Tragen erhöht die Vorfußbelastung und trägt zur Wadenverkürzung bei; bestehende Probleme können dadurch deutlicher werden. Empfohlen werden eine Begrenzung der Tragezeit und die Fortführung des Dehnprogramms.
Wann kann ich wieder laufen?
Die Rückkehr richtet sich nach Kriterien und nicht nach dem Kalender: schmerzfreie volle Beweglichkeit, Kraft nahe der Gegenseite, Einbeinstand und eine schmerzfreie Reaktion auf schrittweise Belastungssteigerung. Der Zeitraum ist individuell.
Wissenschaftliche Arbeiten
Assoc. Prof. Dr. Bertan Cengiz hat wissenschaftliche Arbeiten zu Fuß- und Sprunggelenkchirurgie und verwandten Bereichen in nationalen und internationalen Fachzeitschriften mit Peer-Review veröffentlicht. Die Publikationsliste und überprüfbare Quellen finden Sie auf der Seite Publikationen.
Verwandte Seiten
- Sprunggelenkverstauchung
- Achillessehnenverletzungen
- Fersensporn und Plantarfasziitis
- Hallux valgus (Ballenzeh)
- Sprunggelenkarthroskopie
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