
Arthroskopische Chirurgie (Gelenkspiegelung)
Die Arthroskopie ist ein minimalinvasives Verfahren, bei dem über Zugänge von weniger als einem Zentimeter eine feine Kamera und spezielle Instrumente in das Gelenk eingeführt werden. Die Strukturen im Gelenkinneren werden vergrößert auf einen Bildschirm übertragen, sodass in derselben Sitzung sowohl eine Diagnose gestellt als auch eine Behandlung durchgeführt werden kann.
Was ist eine Arthroskopie?
Bei der klassischen (offenen) Chirurgie sind ein größerer Schnitt und das Auseinanderhalten der Gewebe erforderlich, um das Gelenk zu erreichen. Bei der Arthroskopie werden in der Regel mehrere Zugänge von etwa 5–10 mm genutzt. Da das Kamerabild auf einen Bildschirm übertragen wird, kann die Chirurgin oder der Chirurg Knorpel, Bänder, Meniskus, Sehnen und Gelenkschleimhaut direkt und vergrößert beurteilen.
Ziel dieses Verfahrens ist nicht allein der kleinere Schnitt, sondern die Schonung des umliegenden Gewebes und die detaillierte Beurteilbarkeit der Strukturen im Gelenk. Dennoch ist die Arthroskopie nicht für jede Patientin, jeden Patienten und jedes Problem geeignet; in manchen Situationen ist die offene Operation die richtigere Wahl. Diese Entscheidung wird nach Untersuchung und Bildgebung getroffen.
An welchen Gelenken wird sie angewandt?
Im Rahmen der klinischen Tätigkeit von Assoc. Prof. Dr. Bertan Cengiz kommen arthroskopische Beurteilung und Behandlung an den folgenden Gelenken in Betracht. Jeder Punkt führt zur ausführlichen Informationsseite des jeweiligen Gelenks.
- Schulterarthroskopie — Rotatorenmanschettenriss, Impingement-Syndrom, wiederkehrende Luxation, Frozen Shoulder, Bizepssehnenprobleme
- Kniearthroskopie — Meniskusrisse, Kreuzbandverletzungen, Knorpelschäden, freie Gelenkkörper
- Hüftarthroskopie — femoroazetabuläres Impingement (FAI), Labrumrisse, freie Gelenkkörper
- Sprunggelenkarthroskopie — vorderes und hinteres Impingement, osteochondrale Läsionen, Synovitis
- Ellenbogenarthroskopie — freie Gelenkkörper, Steifigkeit, therapieresistenter Tennisellenbogen
- Handgelenkarthroskopie — TFCC-Verletzungen, Bandprobleme, Ganglien

Wofür wird die Arthroskopie eingesetzt?
Zur Diagnostik
MRT und andere bildgebende Verfahren sind leistungsfähige Werkzeuge, liefern aber nicht immer ein eindeutiges Ergebnis. Wenn Untersuchungsbefund und Bildgebung nicht übereinstimmen, kann die direkte Betrachtung der Strukturen im Gelenk erforderlich sein. Heute wird eine Arthroskopie selten allein zur Diagnostik durchgeführt; sie wird meist zusammen mit der Behandlung geplant.
Zur Behandlung
- Naht gerissener Strukturen (Meniskusnaht, Rekonstruktion der Rotatorenmanschette, Labrumnaht)
- Korrektur und Glättung geschädigten oder gerissenen Gewebes
- Bandrekonstruktion (zum Beispiel des vorderen Kreuzbandes)
- Korrektur von Knochenvorsprüngen oder Weichteilen, die ein Impingement verursachen
- Entfernung freier Gelenkkörper
- Lösung einer geschrumpften Gelenkkapsel
- Entfernung entzündeter Gelenkschleimhaut (Synovialis)
Wie läuft der Prozess ab?
- Beurteilung: Die Beschwerdegeschichte wird erhoben und eine ausführliche körperliche Untersuchung durchgeführt.
- Bildgebung: Bei Bedarf werden Röntgen, MRT oder CT veranlasst.
- Behandlungsplan: Zunächst werden konservative Optionen (Schonung, Physiotherapie, Medikamente, Injektion) geprüft.
- Operationsentscheidung: Die Arthroskopie kommt infrage, wenn die konservative Behandlung nicht anspricht oder eine strukturelle Rekonstruktion erforderlich ist.
- Der Eingriff: Die Narkoseform (Vollnarkose oder Regionalanästhesie) wird gemeinsam mit dem Anästhesieteam festgelegt.
- Rehabilitation: Ein wesentlicher Teil der Heilung erfolgt im Übungsprogramm nach der Operation.
Dauer des Eingriffs und des Krankenhausaufenthalts hängen vom Gelenk, vom durchgeführten Eingriff und vom Allgemeinzustand ab. Auf dieser Seite wird keine Zusage zu einem bestimmten Zeitraum oder Ergebnis gemacht.
Vorbereitung auf den Eingriff
- Stellen Sie eine aktuelle Liste aller Medikamente zusammen, einschließlich pflanzlicher Präparate.
- Wenn Sie Blutverdünner einnehmen, teilen Sie dies unbedingt mit; den Zeitpunkt des Absetzens legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest.
- Bringen Sie frühere MRT-, Röntgen- und Operationsberichte mit.
- Halten Sie die Nüchternheitszeiten ein; das ist für die Sicherheit der Narkose entscheidend.
- Planen Sie Rücktransport und Begleitung im Voraus.
Ausführliche Hinweise finden Sie auf der Seite Vorbereitung auf eine orthopädische Operation.
Die Zeit nach der Operation
Die Heilung nach einer Arthroskopie hängt von der Art des Eingriffs ab. So unterscheiden sich zum Beispiel die Schonzeiten nach einer Teilentfernung des Meniskus und nach einer Meniskusnaht deutlich voneinander. Daher gilt: Maßgeblich ist der Ihnen persönlich vorgegebene Plan.
Ausführliche Ratgeber zur Nachsorge einzelner Gelenke:
- Nachsorge nach einer Kniearthroskopie
- Nachsorge nach einer Schulterarthroskopie
- Alle orthopädischen Ratgeber
Risiken und Wissenswertes
Auch wenn die Arthroskopie ein minimalinvasives Verfahren ist, handelt es sich um einen chirurgischen Eingriff, und jeder chirurgische Eingriff birgt Risiken. Die folgenden Punkte dienen der allgemeinen Information; Ihre individuelle Risikobewertung erfolgt nach Untersuchung und Diagnostik durch Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.
- Infektion — ein Risiko, das trotz der kleinen Zugänge bei jedem Eingriff besteht.
- Blutung oder Schwellung im Gelenk
- Beteiligung von Nerven- und Gefäßstrukturen (selten)
- Thromboserisiko — insbesondere bei Eingriffen an der unteren Extremität
- Allgemeine Risiken der Narkose
- Ausbleiben der erwarteten Besserung oder Fortbestehen der Beschwerden
Die Operationsentscheidung wird getroffen, indem Dauer und Ausmaß der Beschwerden, Untersuchungsbefunde, Bildgebung, Alter, Beruf, Aktivitätsniveau und Begleiterkrankungen gemeinsam bewertet werden. Die Ergebnisse sind von Person zu Person unterschiedlich.
Wann sollten Sie sich vorstellen?
- Wenn Gelenkschmerzen Alltag, Schlaf oder Arbeit beeinträchtigen
- Wenn eine Bewegungseinschränkung besteht oder das Gelenk hakt bzw. blockiert
- Wenn ein Instabilitätsgefühl, Unsicherheit oder wiederkehrende Luxationen bestehen
- Wenn nach einer Verletzung Schwellung und Funktionsverlust aufgetreten sind
- Wenn die Beschwerden trotz Physiotherapie und Medikamenten anhalten
Häufig gestellte Fragen
Worin besteht der Unterschied zwischen Arthroskopie und offener Operation?
Bei der Arthroskopie wird das Gelenk über wenige kleine Zugänge mit Kamera und feinen Instrumenten erreicht; bei der offenen Operation ist ein größerer Schnitt erforderlich. Die Arthroskopie zielt darauf ab, das umliegende Gewebe zu schonen, ist aber nicht für jede Situation geeignet. Welche Methode für Sie infrage kommt, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt nach Untersuchung und Bildgebung.
Wann kann ich nach einer Arthroskopie wieder arbeiten?
Das ist von Person zu Person unterschiedlich und hängt vom Gelenk, vom Eingriff, von der körperlichen Belastung Ihres Berufs und von Ihrem Heilungsverlauf ab. Für Bürotätigkeit und schwere körperliche Arbeit gelten nicht dieselben Zeiträume. Den für Sie gültigen Zeitraum legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest; eine allgemeine Angabe wäre hier nicht seriös.
Bin ich während des Eingriffs wach?
Die Narkoseform hängt vom Eingriff und vom Zustand der Patientin oder des Patienten ab; es kann eine Vollnarkose oder eine Regionalanästhesie durchgeführt werden. Die Entscheidung wird gemeinsam mit der Beurteilung des Anästhesieteams getroffen und vorab mit Ihnen besprochen.
Löst die Arthroskopie jedes Gelenkproblem?
Nein. Die Arthroskopie ist bei bestimmten Problemen ein wirksames Verfahren; bei manchen Zuständen wie einer fortgeschrittenen Gelenkarthrose bringt sie nicht den erhofften Nutzen, und andere Behandlungen (zum Beispiel eine Endoprothese) kommen infrage. Die geeignete Patientenauswahl beeinflusst das Ergebnis unmittelbar.
Ist nach der Operation Physiotherapie zwingend?
Nach den meisten arthroskopischen Eingriffen ist ein Übungsprogramm erforderlich, um Beweglichkeit und Muskelkraft zurückzugewinnen. Dieses wird teils als Heimprogramm, teils unter physiotherapeutischer Anleitung durchgeführt. Den Inhalt legen Ihre Ärztin oder Ihr Arzt und Ihre Physiotherapie fest.
Wann werden die Fäden gezogen und bleiben Narben zurück?
Da die Zugänge klein sind, sind Narben in der Regel begrenzt; die Narbenbildung hängt jedoch von der Hautbeschaffenheit ab. Den Zeitpunkt des Fadenzugs legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt entsprechend Eingriff und Wundheilung fest.
Wissenschaftliche Arbeiten
Assoc. Prof. Dr. Bertan Cengiz hat wissenschaftliche Arbeiten zu arthroskopische Chirurgie und verwandten Bereichen der arthroskopischen Chirurgie in nationalen und internationalen Fachzeitschriften mit Peer-Review veröffentlicht. Die Publikationsliste und überprüfbare wissenschaftliche Quellen finden Sie auf der Seite Publikationen.
Verwandte Seiten
Die Angaben auf dieser Seite dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine persönliche ärztliche Untersuchung. Für Diagnose und Behandlung ist die klinische Beurteilung des Arztes erforderlich. Die Ergebnisse chirurgischer und medizinischer Eingriffe können von Person zu Person unterschiedlich sein; auf dieser Seite wird keine Zusage zu einem bestimmten Ergebnis oder Zeitraum gemacht.
