Beurteilung von Fersenschmerzen (Symbolbild)

Fersensporn und Plantarfasziitis

Die häufigste Ursache von Fersenschmerzen ist die Plantarfasziitis: Verschleiß und Schmerz am Ansatz des kräftigen Sehnenbands der Fußsohle (Plantarfaszie) am Fersenbein. Der umgangssprachlich „Fersensporn“ genannte knöcherne Vorsprung ist meist nicht die Ursache, sondern die Folge.

Sporn oder Faszie?

Der im Röntgenbild sichtbare Fersensporn entsteht mit der Zeit als Antwort des Knochens auf den Zug des Sohlenbands. Entscheidend ist: Ein Fersensporn findet sich bei einem erheblichen Teil beschwerdefreier Menschen; umgekehrt haben viele mit starken Fersenschmerzen keinen Sporn.

Die Behandlung zielt deshalb nicht darauf, den Sporn zu entfernen, sondern die Belastung der Plantarfaszie zu verringern und die Belastbarkeit des Gewebes zu erhöhen.

Typische Beschwerde: der erste Schritt

Das bekannteste Merkmal der Plantarfasziitis ist der stechende Fersenschmerz bei den ersten Schritten nach dem Aufstehen am Morgen. Nach einigen Minuten Gehen lässt der Schmerz nach und nimmt im Tagesverlauf bei längerem Stehen wieder zu.

Risikofaktoren

Diagnostik

Die Diagnose wird weitgehend aus Anamnese und Untersuchung gestellt: punktueller Druckschmerz an der Innenseite der Fußsohle der Ferse zusammen mit dem morgendlichen Anlaufschmerz ist typisch. In der Untersuchung werden zusätzlich Wadenspannung und Fußstellung beurteilt.

Ein Röntgenbild ist nicht zwingend; es wird bei Verletzungsanamnese, untypischen Befunden oder lange bestehenden hartnäckigen Beschwerden veranlasst. Der Ultraschall kann die Dicke der Faszie zeigen. Ist das Bild untypisch, werden ein Ermüdungsbruch des Fersenbeins, eine Nervenenge, Achillessehnenprobleme und rheumatische Erkrankungen in der Differenzialdiagnose berücksichtigt.

Behandlung

Die Plantarfasziitis wird bei der großen Mehrheit ohne Operation beherrscht. Das Programm erfordert Geduld; Ergebnisse zeigen sich über Wochen, nicht Tage.

Die Kernschritte

Hartnäckige Fälle

Bestehen die Beschwerden trotz eines regelmäßig durchgeführten Programms fort, werden weitere Möglichkeiten geprüft. Bei einer Kortisoninjektion in die Faszie ist Zurückhaltung geboten: Sie kann kurzfristig den Schmerz verringern, wiederholte Anwendungen wurden jedoch mit dem Risiko eines Faszienrisses und einer Ausdünnung des Fersenfettpolsters in Verbindung gebracht.

Eine Operation kommt als letzte Möglichkeit bei hartnäckigen Fällen in Betracht, die fortbestehen und den Alltag einschränken. Die große Mehrheit erreicht mit dem nicht operativen Programm ein ausreichendes Niveau, ohne diesen Punkt zu erreichen.

Hinweise für den Alltag

Wann sollten Sie sich vorstellen?

Wann Sie unverzüglich ärztliche Hilfe suchen sollten

Diese Befunde erfordern eine dringende Abklärung. Außerhalb der Sprechzeiten wenden Sie sich an die nächste Notaufnahme.

Häufig gestellte Fragen

Muss der Fersensporn entfernt werden?

In der Regel nein. Der Sporn ist meist nicht die Schmerzursache und findet sich auch bei Beschwerdefreien. Die Behandlung zielt auf die Entlastung der Plantarfaszie, nicht auf die Entfernung des Sporns.

Warum ist es morgens schlimmer?

Im Schlaf steht der Fuß in Spitzfußstellung, und die Faszie heilt in verkürzter Position. Die plötzliche Dehnung beim ersten Schritt verursacht den stechenden Schmerz. Deshalb wird das Dehnen vor dem Aufstehen empfohlen.

Soll ich gehen oder schonen?

Vollständige Schonung wird nicht empfohlen. Lange Gehstrecken auf hartem Boden, die den Schmerz deutlich verstärken, werden vorübergehend reduziert; die Bewegung wird mit Radfahren und Wassergymnastik erhalten. Die Belastung wird dann schrittweise gesteigert.

Soll ich eine Kortisonspritze bekommen?

Kurzfristig kann sie den Schmerz verringern; wiederholte Anwendungen wurden jedoch mit dem Risiko eines Faszienrisses und einer Ausdünnung des Fersenfettpolsters in Verbindung gebracht. Die Entscheidung wird deshalb sorgfältig und nach dem klinischen Bild getroffen.

Brauche ich Einlagen?

Sie sind nicht zwingend; ein Fersenpolster oder eine gewölbeunterstützende Einlage verringert die Beschwerden jedoch bei vielen. Der Bedarf an einer individuell angefertigten Einlage wird nach Fußform und Untersuchungsbefund beurteilt.

Wie lange dauert es, bis es vergeht?

Der Zeitraum ist individuell unterschiedlich und hängt davon ab, wie lange die Beschwerden bereits bestehen. Deshalb wird keine feste Dauer genannt; die regelmäßige Fortführung von Dehnen und Belastungssteuerung ist der wichtigste Einflussfaktor.

Wissenschaftliche Arbeiten

Assoc. Prof. Dr. Bertan Cengiz hat wissenschaftliche Arbeiten zu Fuß- und Sprunggelenkchirurgie und verwandten Bereichen in nationalen und internationalen Fachzeitschriften mit Peer-Review veröffentlicht. Die Publikationsliste und überprüfbare Quellen finden Sie auf der Seite Publikationen.

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Inhaltlich verantwortlich: Doç. Dr. Bertan Cengiz · Zuletzt aktualisiert: 09.08.2026
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