
Fersensporn und Plantarfasziitis
Die häufigste Ursache von Fersenschmerzen ist die Plantarfasziitis: Verschleiß und Schmerz am Ansatz des kräftigen Sehnenbands der Fußsohle (Plantarfaszie) am Fersenbein. Der umgangssprachlich „Fersensporn“ genannte knöcherne Vorsprung ist meist nicht die Ursache, sondern die Folge.
Sporn oder Faszie?
Der im Röntgenbild sichtbare Fersensporn entsteht mit der Zeit als Antwort des Knochens auf den Zug des Sohlenbands. Entscheidend ist: Ein Fersensporn findet sich bei einem erheblichen Teil beschwerdefreier Menschen; umgekehrt haben viele mit starken Fersenschmerzen keinen Sporn.
Die Behandlung zielt deshalb nicht darauf, den Sporn zu entfernen, sondern die Belastung der Plantarfaszie zu verringern und die Belastbarkeit des Gewebes zu erhöhen.
Typische Beschwerde: der erste Schritt
Das bekannteste Merkmal der Plantarfasziitis ist der stechende Fersenschmerz bei den ersten Schritten nach dem Aufstehen am Morgen. Nach einigen Minuten Gehen lässt der Schmerz nach und nimmt im Tagesverlauf bei längerem Stehen wieder zu.
- Punktueller Druckschmerz an der Fußsohle der Ferse, zur Innenseite hin
- Zunahme bei den ersten Schritten am Morgen und beim Aufstehen nach längerem Sitzen
- Verstärkung am Ende des Tages nach langem Stehen und Gehen
- Deutlicher Schmerz beim Barfußgehen auf hartem Boden
- Spannungsgefühl in Wade und Achillessehnenbereich
Risikofaktoren
- Verkürzung von Wade und Achillessehne — der häufigste korrigierbare Faktor
- Gewichtszunahme
- Langes Stehen im Beruf, Stehen auf hartem Boden
- Plötzliche Steigerung der Trainingsbelastung (rasch erhöhte Laufstrecke oder Geschwindigkeit)
- Schuhe ohne Halt, abgelaufene Sohlen
- Fußform: sehr flaches oder sehr hohes Fußgewölbe
Diagnostik
Die Diagnose wird weitgehend aus Anamnese und Untersuchung gestellt: punktueller Druckschmerz an der Innenseite der Fußsohle der Ferse zusammen mit dem morgendlichen Anlaufschmerz ist typisch. In der Untersuchung werden zusätzlich Wadenspannung und Fußstellung beurteilt.
Ein Röntgenbild ist nicht zwingend; es wird bei Verletzungsanamnese, untypischen Befunden oder lange bestehenden hartnäckigen Beschwerden veranlasst. Der Ultraschall kann die Dicke der Faszie zeigen. Ist das Bild untypisch, werden ein Ermüdungsbruch des Fersenbeins, eine Nervenenge, Achillessehnenprobleme und rheumatische Erkrankungen in der Differenzialdiagnose berücksichtigt.
Behandlung
Die Plantarfasziitis wird bei der großen Mehrheit ohne Operation beherrscht. Das Programm erfordert Geduld; Ergebnisse zeigen sich über Wochen, nicht Tage.
Die Kernschritte
- Dehnen: Waden- und Plantarfasziendehnung — besonders das Dehnen im Bett vor dem ersten Schritt am Morgen kann deutlich helfen
- Schuhwerk: Schuhe mit Fersenhalt und ausreichender Dämpfung; kein Barfußgehen auf hartem Boden zu Hause
- Einlagen: Fersenpolster oder gewölbeunterstützende Einlage
- Belastungssteuerung: vorübergehende Reduktion von Laufen und langen Gehstrecken, Erhalt der Kondition mit Radfahren und Wassergymnastik
- Gewichtskontrolle
- Schmerzbehandlung; eine Nachtschiene kann bei ausgewählten Personen den Morgenschmerz verringern
Hartnäckige Fälle
Bestehen die Beschwerden trotz eines regelmäßig durchgeführten Programms fort, werden weitere Möglichkeiten geprüft. Bei einer Kortisoninjektion in die Faszie ist Zurückhaltung geboten: Sie kann kurzfristig den Schmerz verringern, wiederholte Anwendungen wurden jedoch mit dem Risiko eines Faszienrisses und einer Ausdünnung des Fersenfettpolsters in Verbindung gebracht.
Eine Operation kommt als letzte Möglichkeit bei hartnäckigen Fällen in Betracht, die fortbestehen und den Alltag einschränken. Die große Mehrheit erreicht mit dem nicht operativen Programm ein ausreichendes Niveau, ohne diesen Punkt zu erreichen.
Hinweise für den Alltag
- Dehnen Sie Sprunggelenk und Zehen morgens vor dem Aufstehen einige Male
- Tragen Sie zu Hause statt Pantoffeln Schuhe mit Halt
- Steigern Sie die Trainingsbelastung in kleinen wöchentlichen Schritten
- Ersetzen Sie Schuhe mit abgelaufener Sohle
- Führen Sie das Dehnprogramm nach dem Abklingen der Schmerzen noch eine Zeit lang fort
Wann sollten Sie sich vorstellen?
- Wenn Ihr morgendlicher Anlaufschmerz seit Wochen besteht
- Wenn Fersenschmerzen Ihre Gehstrecke verkürzen
- Wenn der Schmerz auch in Ruhe und nachts anhält
- Wenn Taubheit oder Kribbeln hinzukommt
- Wenn die Beschwerden trotz Dehnen und Schuhwechsel zunehmen
Wann Sie unverzüglich ärztliche Hilfe suchen sollten
- Rötung, Überwärmung, Schwellung und Fieber an der Ferse
- Fersenschmerz nach Sturz oder Sprung aus der Höhe mit fehlender Belastbarkeit (Verdacht auf Bruch)
- Plötzlicher Sohlenschmerz mit „Reißgefühl“ und fehlender Belastbarkeit
- Bei Diabetes eine offene Wunde oder Farbveränderung an der Ferse
Diese Befunde erfordern eine dringende Abklärung. Außerhalb der Sprechzeiten wenden Sie sich an die nächste Notaufnahme.
Häufig gestellte Fragen
Muss der Fersensporn entfernt werden?
In der Regel nein. Der Sporn ist meist nicht die Schmerzursache und findet sich auch bei Beschwerdefreien. Die Behandlung zielt auf die Entlastung der Plantarfaszie, nicht auf die Entfernung des Sporns.
Warum ist es morgens schlimmer?
Im Schlaf steht der Fuß in Spitzfußstellung, und die Faszie heilt in verkürzter Position. Die plötzliche Dehnung beim ersten Schritt verursacht den stechenden Schmerz. Deshalb wird das Dehnen vor dem Aufstehen empfohlen.
Soll ich gehen oder schonen?
Vollständige Schonung wird nicht empfohlen. Lange Gehstrecken auf hartem Boden, die den Schmerz deutlich verstärken, werden vorübergehend reduziert; die Bewegung wird mit Radfahren und Wassergymnastik erhalten. Die Belastung wird dann schrittweise gesteigert.
Soll ich eine Kortisonspritze bekommen?
Kurzfristig kann sie den Schmerz verringern; wiederholte Anwendungen wurden jedoch mit dem Risiko eines Faszienrisses und einer Ausdünnung des Fersenfettpolsters in Verbindung gebracht. Die Entscheidung wird deshalb sorgfältig und nach dem klinischen Bild getroffen.
Brauche ich Einlagen?
Sie sind nicht zwingend; ein Fersenpolster oder eine gewölbeunterstützende Einlage verringert die Beschwerden jedoch bei vielen. Der Bedarf an einer individuell angefertigten Einlage wird nach Fußform und Untersuchungsbefund beurteilt.
Wie lange dauert es, bis es vergeht?
Der Zeitraum ist individuell unterschiedlich und hängt davon ab, wie lange die Beschwerden bereits bestehen. Deshalb wird keine feste Dauer genannt; die regelmäßige Fortführung von Dehnen und Belastungssteuerung ist der wichtigste Einflussfaktor.
Wissenschaftliche Arbeiten
Assoc. Prof. Dr. Bertan Cengiz hat wissenschaftliche Arbeiten zu Fuß- und Sprunggelenkchirurgie und verwandten Bereichen in nationalen und internationalen Fachzeitschriften mit Peer-Review veröffentlicht. Die Publikationsliste und überprüfbare Quellen finden Sie auf der Seite Publikationen.
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