
Ellenbogenarthroskopie
Die Ellenbogenarthroskopie ist ein minimalinvasives Verfahren bei freien Gelenkkörpern, Bewegungseinschränkung (Steifigkeit) und therapieresistentem Tennisellenbogen. Da Nerven- und Gefäßstrukturen nahe am Gelenk verlaufen, ist die Wahl der Zugänge von besonderer Bedeutung.
Aufbau des Ellenbogengelenks
Der Ellenbogen ist ein zusammengesetztes Gelenk, in dem der Oberarmknochen mit den beiden Unterarmknochen (Speiche und Elle) verbunden ist und das sowohl Beugung–Streckung als auch die Drehung des Unterarms ermöglicht. Um das Gelenk verlaufen wichtige Nerven und Gefäße, allen voran der Ulnarisnerv. Daher ist die anatomiegerechte Wahl der Zugänge entscheidend.
In welchen Fällen kommt sie infrage?
- Entfernung freier Gelenkkörper — sie können Hängenbleiben und Blockaden verursachen
- Ellenbogensteife — Lösung von Verwachsungen und Kapselschrumpfung
- Therapieresistenter Tennisellenbogen — bei fehlendem Ansprechen auf konservative Behandlung
- Osteochondrosis dissecans und Knorpelschäden (besonders bei jungen Sportlerinnen und Sportlern)
- Synovitis und Gelenkschleimhautprobleme bei rheumatischen Erkrankungen
- Impingement-Syndrome (hinteres Impingement) — bei Wurfsportarten möglich
- Abtragung und Maßnahmen zur Verbesserung der Beweglichkeit bei Arthrose
Wann kommt beim Tennisellenbogen eine Operation infrage?
Der weit überwiegende Teil der Fälle von Tennisellenbogen (Epicondylitis lateralis) heilt ohne Operation aus. Anpassung der Belastung, ein Übungsprogramm (insbesondere exzentrische Kräftigung), Bandagen, Schmerztherapie und in ausgewählten Fällen Injektionen sind die vorrangigen Behandlungen. Operative Optionen können bei lange andauernden, den Alltag deutlich einschränkenden und darauf nicht ansprechenden Verläufen erwogen werden.
Diagnostik und Beurteilung
- Anamnese: Ort der Schmerzen, wiederholte berufliche und sportliche Bewegungen, Blockaden oder Hängenbleiben.
- Körperliche Untersuchung: Beweglichkeit, Druckschmerzpunkte, Nervenuntersuchung (insbesondere Ulnarisnerv), Stabilitätstests.
- Röntgen: Beurteilung freier Gelenkkörper, Knochenvorsprünge und des Gelenkspalts.
- MRT / CT: Knorpel-, Sehnen- und Weichteilbeurteilung; bei Bedarf knöcherne Details.
Wie wird der Eingriff durchgeführt?
Bei der Ellenbogenarthroskopie wird das Gelenk zunächst mit Flüssigkeit gefüllt; das hilft, die Nervenstrukturen von der Gelenkfläche zu entfernen. Über wenige kleine Zugänge werden Kamera und Instrumente eingeführt. Je nach Befund erfolgen die Entfernung freier Gelenkkörper, eine Kapselspaltung, die Korrektur eines Knochenvorsprungs oder die Behandlung erkrankten Sehnengewebes. Der Eingriff erfordert sorgfältige Beachtung anatomischer Grenzen und Nervenverläufe.
Vorbereitung auf den Eingriff
- Stellen Sie eine aktuelle Liste aller Medikamente zusammen, einschließlich pflanzlicher Präparate.
- Wenn Sie Blutverdünner einnehmen, teilen Sie dies unbedingt mit; den Zeitpunkt des Absetzens legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest.
- Bringen Sie frühere MRT-, Röntgen- und Operationsberichte mit.
- Halten Sie die Nüchternheitszeiten ein; das ist für die Sicherheit der Narkose entscheidend.
- Planen Sie Rücktransport und Begleitung im Voraus.
Ausführliche Hinweise finden Sie auf der Seite Vorbereitung auf eine orthopädische Operation.
Die Zeit nach der Operation
Eines der wichtigsten Ziele am Ellenbogen ist der frühzeitige Erhalt der Beweglichkeit; der Ellenbogen neigt bei längerer Ruhigstellung stärker als andere Gelenke zur Einsteifung. Daher wird in den meisten Fällen ein frühes, kontrolliertes Bewegungsprogramm begonnen. Kräftigung wird schrittweise ergänzt, sobald die Beweglichkeit zurückgewonnen ist.
Risiken und Wissenswertes
Auch wenn die Arthroskopie ein minimalinvasives Verfahren ist, handelt es sich um einen chirurgischen Eingriff, und jeder chirurgische Eingriff birgt Risiken. Die folgenden Punkte dienen der allgemeinen Information; Ihre individuelle Risikobewertung erfolgt nach Untersuchung und Diagnostik durch Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.
- Infektion — ein Risiko, das trotz der kleinen Zugänge bei jedem Eingriff besteht.
- Blutung oder Schwellung im Gelenk
- Beteiligung von Nerven- und Gefäßstrukturen (selten)
- Thromboserisiko — insbesondere bei Eingriffen an der unteren Extremität
- Allgemeine Risiken der Narkose
- Ausbleiben der erwarteten Besserung oder Fortbestehen der Beschwerden
- Beteiligung von Nervenstrukturen — am Ellenbogen ist hier mehr Sorgfalt erforderlich als an anderen Gelenken
- Fortbestehen von Steifigkeit und Bewegungseinschränkung
- Fortbestehen eines Teils der Beschwerden beim Tennisellenbogen
Die Operationsentscheidung wird getroffen, indem Dauer und Ausmaß der Beschwerden, Untersuchungsbefunde, Bildgebung, Alter, Beruf, Aktivitätsniveau und Begleiterkrankungen gemeinsam bewertet werden. Die Ergebnisse sind von Person zu Person unterschiedlich.
Wann sollten Sie sich vorstellen?
- Wenn sich der Ellenbogen nicht vollständig strecken oder beugen lässt
- Wenn der Ellenbogen hakt, blockiert oder Geräusche macht
- Wenn Taubheitsgefühl oder Kribbeln in Hand und Fingern hinzukommt
- Wenn Beschwerden eines Tennisellenbogens seit Monaten anhalten
- Wenn nach einer Verletzung Schmerz und Bewegungsverlust aufgetreten sind
Häufig gestellte Fragen
Ist die Ellenbogenarthroskopie ein risikoreicher Eingriff?
Da um den Ellenbogen wichtige Nerven und Gefäße verlaufen, sind die Wahl der Zugänge und technische Sorgfalt besonders wichtig. Mit geeigneter Technik ist sie ein etabliertes Verfahren; wie bei jedem chirurgischen Eingriff bestehen dennoch Risiken, und Ihre individuelle Beurteilung erfolgt nach der Untersuchung.
Sollte ich bei einem Tennisellenbogen sofort operiert werden?
Nein. Der erste Ansatz ist nicht chirurgisch; Übungsprogramm, Anpassung der Belastung und Schmerztherapie werden zunächst angewandt. Eine Operation kommt bei lange andauernden und darauf nicht ansprechenden Verläufen infrage.
Wodurch entstehen Blockaden im Ellenbogen?
Eine der häufigsten Ursachen sind freie Gelenkkörper; ein Knorpel- oder Knochenstück kann zwischen die Gelenkflächen geraten und die Bewegung blockieren. Eine Blockade ist ein abklärungsbedürftiger Befund.
Wird mein Ellenbogen nach der Operation steif?
Der Ellenbogen neigt bei längerer Ruhigstellung zur Einsteifung. Daher wird in den meisten Fällen ein frühes, kontrolliertes Bewegungsprogramm begonnen. Die Mitarbeit im Programm ist ein wichtiger Faktor für das Ergebnis.
Kann ein Taubheitsgefühl in der Hand vom Ellenbogen kommen?
Ja. Der Ulnarisnerv verläuft an der Innenseite des Ellenbogens oberflächlich und kann dort eingeengt werden; das kann zu Taubheit in Ring- und Kleinfinger führen. Zur Differenzialdiagnose werden auch Halswirbelsäule und Handgelenk beurteilt.
Wissenschaftliche Arbeiten
Assoc. Prof. Dr. Bertan Cengiz hat wissenschaftliche Arbeiten zu Ellenbogenarthroskopie und Chirurgie der oberen Extremität und verwandten Bereichen der arthroskopischen Chirurgie in nationalen und internationalen Fachzeitschriften mit Peer-Review veröffentlicht. Die Publikationsliste und überprüfbare wissenschaftliche Quellen finden Sie auf der Seite Publikationen.
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