
Schulter und obere Extremität
Die Schulter besitzt den größten Bewegungsumfang des Körpers; der Preis dieser Freiheit ist eine geringe knöcherne Stabilität und eine hohe Abhängigkeit von den Weichteilen. Bei Schulter- und Armbeschwerden wird die Diagnose weitgehend durch die Untersuchung gestellt; die Bildgebung dient der Bestätigung.
Unter dieser Überschrift behandelte Krankheitsbilder
- Rotatorenmanschettenriss — Nachtschmerz, Kraftverlust beim Heben des Armes
- Schulterimpingement — Schmerz, der in einem bestimmten Winkel auftritt
- Frozen Shoulder — Einschränkung der aktiven und passiven Beweglichkeit
- Schulterluxation und Instabilität — Gefühl des Herausspringens, wiederkehrende Luxationen
- Tennisellenbogen und Ellenbogenbeschwerden
- Karpaltunnelsyndrom und Handgelenkprobleme — siehe Hand- und Handgelenkchirurgie
Schulterschmerz: drei Bilder unterscheiden
Bei Schulterschmerzen ist das erste Ziel der Untersuchung, diese drei Bilder zu trennen:
- Impingement: Der Schmerz steht im Vordergrund und wird beim Heben des Armes in einem bestimmten Winkel deutlich; die passive Beweglichkeit bleibt meist erhalten.
- Rotatorenmanschettenriss: Zum Schmerz kommt ein Kraftverlust — Schwäche beim seitlichen Heben und bei der Außendrehung.
- Frozen Shoulder: Nicht nur die eigene, sondern auch die vom Arzt geführte Bewegung ist eingeschränkt; typisch ist der Verlust der Außendrehung.
Ausführlicher Vergleich: Schulterschmerzen: Rotatorenmanschettenriss, Impingement oder Frozen Shoulder?
Den Nacken nicht vergessen
Eine von der Halswirbelsäule ausgehende Nervenkompression kann Schulter- und Armschmerzen nachahmen. Ergibt die Schulteruntersuchung nicht den erwarteten Befund oder kommen Taubheit und Kribbeln hinzu, wird der Nacken beurteilt. Bei manchen Betroffenen liegen beide Probleme gleichzeitig vor.
Abklärung
- Anamnese: Schmerzbeginn, Nachtschmerz, Verletzung, berufliche und sportliche Überkopfbelastung.
- Untersuchung: Vergleich der aktiven und passiven Beweglichkeit, Krafttests, Impingement- und Instabilitätstests, Beurteilung der Schulterblattbewegung.
- Röntgen: für knöcherne Strukturen, Verkalkungen, Gelenkspalt und die Stellung des Oberarmkopfes.
- MRT / Ultraschall: Vorhandensein und Größe eines Sehnenrisses sowie fettige Umwandlung des Muskels; bei Instabilität und Verdacht auf Knochenverlust ein CT.
Behandlungsansatz
Bei der großen Mehrheit der Schulterprobleme beginnt die Behandlung ohne Operation. Im Mittelpunkt des Programms stehen die Kräftigung von Rotatorenmanschette und schulterblattnaher Muskulatur, die Dehnung der hinteren Kapsel und die Haltungskorrektur. Ergebnisse zeigen sich über Wochen; die Regelmäßigkeit ist entscheidend.
Eine Operation kommt bei traumatischen kompletten Rissen, bei jungen und aktiven Menschen, bei deutlichem Kraftverlust, bei wiederkehrenden Luxationen und bei fehlendem Ansprechen auf ein ausreichend lange durchgeführtes Programm in Betracht. Die Eingriffe erfolgen weitgehend arthroskopisch. Schonung und ein schrittweises Bewegungsprogramm danach beeinflussen das Ergebnis unmittelbar; siehe Ratgeber zur Nachsorge nach Schulterarthroskopie.
Wann sollten Sie sich vorstellen?
- Wenn Schulterschmerzen nachts Ihren Schlaf unterbrechen
- Wenn Sie Schwierigkeiten haben, den Arm über Kopfhöhe zu heben
- Wenn Sie einen deutlichen Kraftverlust im Arm bemerkt haben
- Wenn Ihre Schulter ausgekugelt war oder Sie das Gefühl haben, sie springe heraus
- Wenn Taubheit und Kribbeln hinzukommen
Wann Sie unverzüglich ärztliche Hilfe suchen sollten
- Nach einer Verletzung lässt sich der Arm gar nicht heben oder die Schulter ist sichtbar verformt
- Taubheit, Kältegefühl, Farbveränderung oder fehlender Puls am Arm
- Rötung, Überwärmung und starke Schmerzen der Schulter zusammen mit Fieber
- Plötzlich einsetzende, zunehmende Armschwäche
Diese Befunde erfordern eine dringende Abklärung. Außerhalb der Sprechzeiten wenden Sie sich an die nächste Notaufnahme.
Häufig gestellte Fragen
Brauche ich bei Schulterschmerzen sofort ein MRT?
In der Regel nein. Die Diagnose wird weitgehend durch die Untersuchung gestellt; das MRT dient der Bestätigung und der Operationsplanung. Bei Situationen wie fehlender Hebefähigkeit nach einer Verletzung kommt eine frühe Bildgebung in Betracht.
Warum ist der Nachtschmerz so ausgeprägt?
Im Liegen ändern sich die Druckverhältnisse um die Schulter, und das Gleichgewicht, das die Muskulatur tagsüber herstellt, entfällt. Deshalb ist Nachtschmerz bei Schulterproblemen typisch. Mit leicht erhöhtem Oberkörper zu schlafen und nicht auf der betroffenen Seite zu liegen, kann helfen.
Wäre es gut, den Arm gar nicht zu benutzen?
Nein. Vollständige Ruhigstellung erhöht besonders das Risiko einer Frozen Shoulder und verringert die Muskelkraft. Die Bewegung innerhalb der Schmerzgrenze fortzuführen, ist Teil des Programms.
Soll ich eine Kortisonspritze bekommen?
Bei ausgewählten Personen kann sie den Schmerz verringern und den Beginn der Übungen erleichtern. Wiederholte Injektionen in die Sehne können die Gewebequalität jedoch ungünstig beeinflussen; die Entscheidung trifft Ihre Ärztin oder Ihr Arzt nach dem klinischen Bild.
Bedeutet ein Riss immer eine Operation?
Nein. Bei partiellen Rissen, bei geringerem funktionellem Anspruch und bei manchen großen Rissen kann mit Physiotherapie eine ausreichende Funktion erreicht werden. Die Entscheidung richtet sich nach Rissform, Kraftverlust, Alter und Erwartungen.
Wie lange trage ich nach der Operation eine Schlinge?
Die Dauer richtet sich nach der Rissgröße und der durchgeführten Rekonstruktion; je ausgedehnter, desto länger die Schonung. Den genauen Zeitraum legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt entsprechend Ihrem Heilungsverlauf fest.
Wissenschaftliche Arbeiten
Assoc. Prof. Dr. Bertan Cengiz hat wissenschaftliche Arbeiten zu Schulterarthroskopie und Chirurgie der oberen Extremität und verwandten Bereichen in nationalen und internationalen Fachzeitschriften mit Peer-Review veröffentlicht. Die Publikationsliste und überprüfbare Quellen finden Sie auf der Seite Publikationen.
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