Arthroskopische Beurteilung der Knieregion im Operationssaal (Symbolbild)

Kniearthroskopie

Die Kniearthroskopie ist das am häufigsten eingesetzte minimalinvasive Verfahren bei Meniskusrissen, Kreuzbandverletzungen und Knorpelschäden. Die Strukturen im Gelenk werden mit der Kamera detailliert beurteilt, und der festgestellte Befund kann in derselben Sitzung behandelt werden.

Aufbau des Kniegelenks

Das Knie ist ein großes, lasttragendes Gelenk aus Oberschenkelknochen, Schienbein und Kniescheibe. Zwei Menisken verteilen die Last und dämpfen Stöße; vorderes und hinteres Kreuzband sowie die Seitenbänder sichern die Stabilität nach vorn, hinten und zur Seite. Der Knorpel auf den Gelenkflächen ermöglicht eine reibungsarme Bewegung.

Dreidimensionale Darstellung der Kniegelenkanatomie (Symbolbild)

In welchen Fällen kommt sie infrage?

Meniskus: Naht oder Teilentfernung?

Diese Unterscheidung ist wichtig, weil sie den gesamten Verlauf nach der Operation bestimmt. Die Durchblutung des Meniskus ist im äußeren Bereich besser; bei geeigneten Rissen in dieser Zone kann eine Naht bevorzugt und der Erhalt des Gewebes angestrebt werden. Bei manchen Rissen im schlecht durchbluteten inneren Bereich heilt eine Naht möglicherweise nicht; dann kommt die begrenzte Entfernung des gerissenen Anteils infrage.

Nach einer Naht ist die Schonzeit länger und der Beugewinkel kann eine Zeit lang begrenzt werden. Nach einer Teilentfernung ist die Belastung meist früher erlaubt. Fragen Sie unbedingt nach, welche Situation bei Ihnen vorliegt; Ihre Anweisungen nach der Operation hängen davon ab.

Diagnostik und Beurteilung

  1. Anamnese: Unfallmechanismus (Drehung, Verdrehen, Kontakt), Blockaden, Hängenbleiben, Instabilitätsgefühl, Zeitpunkt der Schwellung.
  2. Körperliche Untersuchung: Druckschmerz am Gelenkspalt, Meniskustests, Bandstabilitätstests, Beweglichkeit.
  3. Bildgebung: Röntgen für Knochen und Gelenkspalt; MRT für Meniskus-, Band- und Knorpelgewebe.
  4. Entscheidung: Ein MRT-Befund allein ist kein Operationsgrund; er wird mit Beschwerden und Untersuchung zusammen bewertet.

Weiterführend: Knieschmerzen: Wann sollte man sie ernst nehmen?

Zuerst konservative Behandlung

Besonders bei degenerativen (altersbedingten) Meniskusrissen und frühen Knorpelschäden ist der erste Ansatz meist nicht chirurgisch. Anpassung der Belastung, Gewichtskontrolle, ein Kräftigungsprogramm für die vordere Oberschenkelmuskulatur und Schmerztherapie werden vorrangig geprüft. Risse mit Blockaden, ausgeprägte Instabilität und Bandverletzungen bei jungen, aktiven Patientinnen und Patienten können eine frühere chirurgische Beurteilung erfordern.

Wie wird der Eingriff durchgeführt?

Bei der Kniearthroskopie werden meist kleine Zugänge beidseits der Kniescheibe genutzt. Das Gelenk wird mit Flüssigkeit gefüllt, die Kamera eingeführt und alle Abschnitte systematisch beurteilt. Bei Eingriffen wie der Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes wird ein Transplantat (eine körpereigene Sehne) vorbereitet, durch Knochenkanäle geführt und fixiert. Die Wahl des Transplantats richtet sich nach Alter, Aktivität und Begleitverletzungen.

Vorbereitung auf den Eingriff

Ausführliche Hinweise finden Sie auf der Seite Vorbereitung auf eine orthopädische Operation.

Die Zeit nach der Operation

In den ersten Tagen werden Hochlagerung des Beins, Kühlen und Pumpübungen für das Sprunggelenk empfohlen, um die Schwellung zu verringern. Die Belastungsfreigabe richtet sich nach dem Eingriff. Die frühe Aktivierung der vorderen Oberschenkelmuskulatur ist entscheidend, um späterem Muskelschwund und Bewegungseinschränkung vorzubeugen.

Ausführliche Hinweise finden Sie im Ratgeber Nachsorge nach einer Kniearthroskopie.

Risiken und Wissenswertes

Auch wenn die Arthroskopie ein minimalinvasives Verfahren ist, handelt es sich um einen chirurgischen Eingriff, und jeder chirurgische Eingriff birgt Risiken. Die folgenden Punkte dienen der allgemeinen Information; Ihre individuelle Risikobewertung erfolgt nach Untersuchung und Diagnostik durch Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.

Die Operationsentscheidung wird getroffen, indem Dauer und Ausmaß der Beschwerden, Untersuchungsbefunde, Bildgebung, Alter, Beruf, Aktivitätsniveau und Begleiterkrankungen gemeinsam bewertet werden. Die Ergebnisse sind von Person zu Person unterschiedlich.

Wann sollten Sie sich vorstellen?

Häufig gestellte Fragen

Wann darf man nach einer Meniskusoperation wieder gehen?

Die Freigabe hängt vom Eingriff ab: Nach einer Teilentfernung ist die Belastung meist früh erlaubt, nach einer Meniskusnaht ist die Schonzeit länger. Ausführlich dazu in unserem Beitrag; den genauen Zeitraum legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest.

Erfordert jeder Meniskusriss eine Operation?

Nein. Besonders bei altersbedingten degenerativen Rissen lassen sich mit Übungen und Schmerztherapie gute Ergebnisse erzielen. Bei Rissen mit Blockaden oder mechanischen Beschwerden und bei traumatischen Rissen junger, aktiver Patientinnen und Patienten kommt eine Operation häufiger infrage.

Muss ich bei einem Kreuzbandriss unbedingt operiert werden?

Die Entscheidung richtet sich nach Alter, Aktivitätsniveau, dem Auftreten von Instabilität und begleitenden Meniskus- oder Knorpelverletzungen. Bei manchen lässt sich mit einem Kräftigungsprogramm ausreichende Stabilität erreichen, bei sportlich und körperlich aktiven Personen kann eine Rekonstruktion empfohlen werden.

Heilt die Arthroskopie eine Kniearthrose?

Nein. Die Arthroskopie behandelt die Arthrose selbst nicht. Bei fortgeschrittener Arthrose bringt sie nicht den erhofften Nutzen; hier kommen Gewichtskontrolle, Bewegung, Schmerztherapie und gegebenenfalls eine Endoprothese infrage.

Ist eine Schwellung des Knies nach der Operation normal?

Eine gewisse Schwellung in der Anfangsphase ist zu erwarten und geht mit Hochlagerung, Kühlen und schrittweiser Bewegung zurück. Zunehmende Rötung, Überwärmung, Fieber oder nicht beherrschbare Schmerzen sind jedoch kein erwarteter Befund; dann sollten Sie sich unverzüglich vorstellen.

Wissenschaftliche Arbeiten

Assoc. Prof. Dr. Bertan Cengiz hat wissenschaftliche Arbeiten zu Kniearthroskopie und Sportverletzungschirurgie und verwandten Bereichen der arthroskopischen Chirurgie in nationalen und internationalen Fachzeitschriften mit Peer-Review veröffentlicht. Die Publikationsliste und überprüfbare wissenschaftliche Quellen finden Sie auf der Seite Publikationen.

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Inhaltlich verantwortlich: Doç. Dr. Bertan Cengiz · Zuletzt aktualisiert: 08.08.2026
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