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Überlastungsverletzungen und Tendinopathien

Überlastungsverletzungen entstehen ohne einzelnes Trauma, wenn wiederholte Belastung die Regenerationsfähigkeit des Gewebes übersteigt. Tendinopathien, Ermüdungsbrüche und Impingement-Syndrome gehören dazu. Betroffene beschreiben es oft als „es ist nichts passiert, aber der Schmerz geht nicht weg“ — und genau das ist ein wichtiger Hinweis.

Warum entstehen sie?

Gewebe wird durch Belastung stärker; dafür ist jedoch ausreichende Erholungszeit nötig. Ist das Verhältnis von Belastung und Erholung gestört, wird das Gewebe erneut belastet, bevor es sich erholt hat, und es entwickeln sich mit der Zeit strukturelle Veränderungen. Häufigster Auslöser ist die Steigerung von Trainingsumfang oder -intensität in kurzer Zeit.

Weitere Faktoren: unzureichender Schlaf und Ernährung, Wechsel von Untergrund oder Ausrüstung, Ungleichgewichte in Kraft und Beweglichkeit, Achsabweichungen und frühere Verletzungen.

Was ist eine Tendinopathie?

Bei dem früher als „Tendinitis“ bezeichneten Bild hat sich gezeigt, dass im Gewebe weniger Entzündung vorliegt als erwartet; das eigentliche Problem sind Veränderungen der Kollagenstruktur und eine verminderte Belastbarkeit. Deshalb wird heute der Begriff Tendinopathie verwendet.

Diese Unterscheidung ändert die Behandlung: Da das Problem keine Entzündung ist, sind vollständige Schonung und Schmerzmittel allein keine Lösung. Im Mittelpunkt steht die schrittweise, kontrollierte Belastung.

Häufige Krankheitsbilder

Beschwerden und Unterscheidungsmerkmale

Achtung: Bei Ermüdungsbrüchen ist der Schmerz meist punktuell und verstärkt sich unter Belastung; Nacht- und Ruheschmerz sollten nicht ignoriert werden. Das Röntgenbild kann in der Frühphase unauffällig sein.

Diagnostik

  1. Trainingsanamnese: Umfang, Intensität, Untergrund, Schuhwerk und Programmänderungen der letzten Wochen.
  2. Körperliche Untersuchung: Genauer Ort des Druckschmerzes, Belastungstests, Kraft- und Beweglichkeitsbeurteilung.
  3. Bildgebung: Ultraschall und MRT für Sehnengewebe; MRT und bei Bedarf Szintigrafie/CT für Ermüdungsbrüche.

Nicht jede in der Bildgebung sichtbare strukturelle Veränderung ist die Schmerzursache; auch bei beschwerdefreien Sportlerinnen und Sportlern finden sich Sehnenveränderungen. Befunde werden daher zusammen mit dem klinischen Bild bewertet.

Behandlung

Grundlage sind Belastungssteuerung und schrittweise Kräftigung. Ziel ist nicht die Unterdrückung des Schmerzes, sondern die Wiederherstellung der Belastbarkeit des Gewebes.

  1. Belastung anpassen: Vorübergehende Reduktion der Aktivität, die den Schmerz deutlich verstärkt — kein vollständiger Stopp.
  2. Isometrisches Training: Erhalt der Muskelaktivierung in der schmerzhaften Phase.
  3. Exzentrisches und schweres, langsames Widerstandstraining: Die bei Tendinopathien am besten belegte Methode.
  4. Training der umgebenden Muskelkette: Hüft- und Rumpfkontrolle ist bei Tendinopathien der unteren Extremität entscheidend.
  5. Schrittweise Wiederbelastung: Geplante Steigerung von Lauf-, Sprung- und sportartspezifischen Bewegungen.

Diese Programme brauchen Wochen bis Monate; eine Besserung innerhalb weniger Tage ist nicht zu erwarten. Kontinuität ist der entscheidendste Teil der Behandlung.

Bei therapieresistenten Verläufen können weitere Optionen und in ausgewählten Situationen eine Operation infrage kommen. Eine Kortisoninjektion in die Sehne wird sorgfältig abgewogen, da sie bei manchen Sehnen das Rupturrisiko erhöhen kann.

Wie sollte die Belastung gesteigert werden?

Der praktischste Weg zur Vorbeugung ist die schrittweise Steigerung. Den wöchentlichen Trainingsumfang in kleinen, regelmäßigen Schritten statt in großen Sprüngen zu erhöhen und alle drei bis vier Wochen eine Regenerationswoche einzuplanen, ist ein weithin anerkannter Ansatz. Schmerz ist das früheste Zeichen einer zu hohen Belastung; ein „Weitermachen trotz Schmerz“ verlängert den Verlauf.

Rückkehr zum Sport

Die Entscheidung zur Rückkehr in den Sport wird anhand messbarer Ziele getroffen, nicht nach dem Kalender. Die verstrichene Zeit allein ist kein ausreichendes Kriterium; eine zu frühe Rückkehr erhöht das Risiko einer erneuten Verletzung.

Diese Kriterien werden von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt und Ihrer Physiotherapie beurteilt. Die Ergebnisse sind von Person zu Person unterschiedlich; auf dieser Seite wird keine Zusage zu einem bestimmten Zeitraum oder Ergebnis gemacht.

Wann Sie unverzüglich ärztliche Hilfe suchen sollten

Diese Befunde erfordern eine dringende Abklärung. Außerhalb der Sprechzeiten wenden Sie sich an die nächste Notaufnahme.

Häufig gestellte Fragen

Ich habe Schmerzen — darf ich weitertrainieren?

Bei Überlastungsverletzungen ist ein vollständiger Stopp meist nicht nötig; die Belastung muss jedoch angepasst werden. Aktivitäten, die den Schmerz deutlich verstärken und am Folgetag anhalten lassen, werden reduziert, schmerzfreie Alternativen beibehalten. Diese Anpassung wird nach der Untersuchung individuell geplant.

Tendinitis oder Tendinopathie — macht das einen Unterschied?

Ja, denn es ändert die Behandlung. Da überwiegend keine Entzündung, sondern eine strukturelle Veränderung und verminderte Belastbarkeit vorliegt, reichen Schonung und Schmerzmittel nicht aus. Im Mittelpunkt stehen schrittweise Belastung und Kräftigung.

Wie lange dauert die Heilung?

Bei Tendinopathien kann sie Wochen bis Monate dauern und ist von Person zu Person unterschiedlich. Die regelmäßige Fortführung des Programms ist der entscheidendste Faktor. Eine feste Zeitangabe wäre hier nicht seriös.

Sollte ich eine Kortisonspritze bekommen?

Kortison kann den Schmerz kurzfristig verringern; es wird jedoch sorgfältig abgewogen, da es bei manchen Sehnen das Rupturrisiko erhöhen kann und das Langzeitergebnis berichteten Daten zufolge nicht verbessert. Die Entscheidung trifft Ihre Ärztin oder Ihr Arzt je nach Injektionsort und klinischer Situation.

Wie erkenne ich einen Ermüdungsbruch?

Ein unter Belastung schärfer werdender, punktuell konzentrierter Knochenschmerz, der auch in Ruhe und nachts bestehen kann, spricht für einen Ermüdungsbruch. Das Röntgenbild kann in der Frühphase unauffällig sein; bei Verdacht kann eine weiterführende Bildgebung wie das MRT nötig sein.

Wie stark darf ich meine Trainingsbelastung steigern?

Empfohlen wird eine Steigerung in kleinen, regelmäßigen Schritten statt in großen Sprüngen sowie das Einplanen von Regenerationswochen. Denken Sie daran, dass Schmerz ein Frühwarnzeichen ist. Ihr individuelles Programm sollte nach Sportart und Vorgeschichte geplant werden.

Wissenschaftliche Arbeiten

Assoc. Prof. Dr. Bertan Cengiz hat wissenschaftliche Arbeiten zu Tendinopathien und Sportverletzungen und verwandten Bereichen in nationalen und internationalen Fachzeitschriften mit Peer-Review veröffentlicht. Die Publikationsliste und überprüfbare wissenschaftliche Quellen finden Sie auf der Seite Publikationen.

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Inhaltlich verantwortlich: Doç. Dr. Bertan Cengiz · Zuletzt aktualisiert: 08.08.2026
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