
Hüftarthroskopie
Die Hüftarthroskopie ist ein minimalinvasives Verfahren bei Beschwerden wie femoroazetabulärem Impingement (FAI), Rissen der Gelenklippe (Labrum) und freien Gelenkkörpern. Da die Hüfte tief liegt, erfolgt der Eingriff auf einem speziellen Extensionstisch unter Bildwandlerkontrolle.
Aufbau des Hüftgelenks
Die Hüfte ist ein tiefes, stabiles Kugelgelenk, bei dem der Kopf des Oberschenkelknochens in der Pfanne (Azetabulum) des Beckens liegt. Das Labrum, ein knorpeliger Ring am Pfannenrand, vertieft das Gelenk und verteilt die Last, indem es den Flüssigkeitsdruck im Inneren aufrechterhält. Diese tiefe Lage macht die Diagnostik von Hüftbeschwerden schwieriger als bei anderen Gelenken.

In welchen Fällen kommt sie infrage?
- Femoroazetabuläres Impingement (FAI) — überschüssiger Knochen am Kopf-Hals-Übergang (Cam-Typ) oder am Pfannenrand (Pincer-Typ) führt bei Bewegung zum Anschlagen
- Labrumrisse — Naht oder Glättung
- Entfernung freier Gelenkkörper
- Beurteilung und Behandlung von Knorpelschäden
- Verletzungen des Ligamentum teres
- Schnappende Hüfte (Coxa saltans) durch die Iliopsoassehne
- Therapieresistente Synovitis und Probleme der Gelenkschleimhaut
- Beurteilung bestimmter Gelenkprobleme nach einer Hüftprothese
Wie zeigen sich die Beschwerden?
Schmerzen aus dem Hüftgelenk werden meist in der Leiste empfunden; Betroffene beschreiben sie häufig, indem sie die Hand C-förmig seitlich an die Hüfte legen (C-Zeichen). Langes Sitzen, Ein- und Aussteigen aus dem Auto, Hocken, Schuhebinden oder das Einwärtsdrehen des Beins können die Beschwerden verstärken. Manche berichten zusätzlich über Hängenbleiben, Blockaden oder ein Instabilitätsgefühl.
Hüftschmerzen können mit Bandscheibenvorfall, Leistenbruch, Hüftarthrose und Sehnenproblemen der Umgebung verwechselt werden. Die Differenzialdiagnose ist daher wichtig.
Diagnostik und Beurteilung
- Anamnese: Ort der Schmerzen, auslösende Bewegungen, sportliche und berufliche Belastung, Unfallgeschehen.
- Körperliche Untersuchung: Beweglichkeit, Impingement-Tests, Kraft der umgebenden Muskulatur, Gangbild.
- Röntgen: Knochenstruktur, Gelenkspalt und Formvarianten, die ein Impingement verursachen können.
- MRT / MR-Arthrografie: Beurteilung von Labrum, Knorpel und Weichteilen.
- Diagnostische Injektion: In ausgewählten Fällen, um zu klären, ob die Schmerzen tatsächlich aus dem Gelenk stammen.
Zuerst konservative Behandlung
Die Entscheidung zur Hüftarthroskopie wird nicht übereilt getroffen. Anpassung der Belastung, Vermeiden auslösender Bewegungen, ein physiotherapeutisches Programm für Hüft- und Rumpfmuskulatur sowie Schmerztherapie werden zunächst angewandt. Bei bereits ausgeprägter Arthrose ist der zu erwartende Nutzen geringer; dann werden andere Behandlungsoptionen geprüft.
Wie wird der Eingriff durchgeführt?
Da die Hüfte tief liegt, muss der Gelenkspalt während des Eingriffs etwas geöffnet werden; dies geschieht in der Regel mit einem speziellen Extensionstisch unter Bildwandlerkontrolle. Über wenige kleine Zugänge werden Kamera und Instrumente eingeführt. Je nach Befund erfolgen Labrumnaht, Korrektur überschüssigen Knochens (Osteoplastik), Knorpelbehandlung oder die Entfernung freier Gelenkkörper.
Die Hüftarthroskopie ist technisch anspruchsvoll und weist eine ausgeprägte Lernkurve auf; die geeignete Patientenauswahl beeinflusst das Ergebnis unmittelbar.
Vorbereitung auf den Eingriff
- Stellen Sie eine aktuelle Liste aller Medikamente zusammen, einschließlich pflanzlicher Präparate.
- Wenn Sie Blutverdünner einnehmen, teilen Sie dies unbedingt mit; den Zeitpunkt des Absetzens legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest.
- Bringen Sie frühere MRT-, Röntgen- und Operationsberichte mit.
- Halten Sie die Nüchternheitszeiten ein; das ist für die Sicherheit der Narkose entscheidend.
- Planen Sie Rücktransport und Begleitung im Voraus.
Ausführliche Hinweise finden Sie auf der Seite Vorbereitung auf eine orthopädische Operation.
Die Zeit nach der Operation
In der Anfangsphase stehen Teilbelastung an Unterarmgehstützen, das Vermeiden bestimmter Bewegungen und eine frühe, kontrollierte Beübung der Beweglichkeit im Vordergrund. Das Rehabilitationsprogramm richtet sich nach dem durchgeführten Eingriff (Naht oder Glättung) und dem begleitenden Knorpelzustand. Die Dauer ist von Person zu Person unterschiedlich.
Risiken und Wissenswertes
Auch wenn die Arthroskopie ein minimalinvasives Verfahren ist, handelt es sich um einen chirurgischen Eingriff, und jeder chirurgische Eingriff birgt Risiken. Die folgenden Punkte dienen der allgemeinen Information; Ihre individuelle Risikobewertung erfolgt nach Untersuchung und Diagnostik durch Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.
- Infektion — ein Risiko, das trotz der kleinen Zugänge bei jedem Eingriff besteht.
- Blutung oder Schwellung im Gelenk
- Beteiligung von Nerven- und Gefäßstrukturen (selten)
- Thromboserisiko — insbesondere bei Eingriffen an der unteren Extremität
- Allgemeine Risiken der Narkose
- Ausbleiben der erwarteten Besserung oder Fortbestehen der Beschwerden
- Vorübergehendes Taubheitsgefühl oder Missempfindungen durch die Extension
- Vorübergehende Bewegungseinschränkung der Hüfte
- Ausbleiben des erwarteten Nutzens bei fortgeschrittener Arthrose
Die Operationsentscheidung wird getroffen, indem Dauer und Ausmaß der Beschwerden, Untersuchungsbefunde, Bildgebung, Alter, Beruf, Aktivitätsniveau und Begleiterkrankungen gemeinsam bewertet werden. Die Ergebnisse sind von Person zu Person unterschiedlich.
Wann sollten Sie sich vorstellen?
- Wenn Leistenschmerzen seit Längerem bestehen
- Wenn Sitzen, Hocken oder Ein- und Aussteigen die Schmerzen deutlich verstärken
- Wenn die Hüfte hakt, blockiert oder ein Instabilitätsgefühl besteht
- Wenn Sie sportlich aktiv sind und bei Drehbewegungen Schmerzen auftreten
- Wenn die Beschwerden trotz Physiotherapie anhalten
Häufig gestellte Fragen
Behandelt die Hüftarthroskopie eine Hüftarthrose?
Nein. Bei fortgeschrittener Hüftarthrose ist der zu erwartende Nutzen begrenzt. Hier kommen Gewichtskontrolle, Bewegung, Schmerztherapie und bei geeigneten Patientinnen und Patienten eine Endoprothese infrage. Die Arthroskopie wird vor allem bei strukturellen Problemen vor Entstehung einer Arthrose erwogen.
Wie unterscheidet man, ob die Leistenschmerzen aus der Hüfte oder dem Rücken kommen?
Untersuchungsbefund, Schmerzort und auslösende Bewegungen liefern wichtige Hinweise. Bei Bedarf werden Bildgebung und in ausgewählten Fällen eine diagnostische Injektion ins Gelenk eingesetzt, um die Schmerzquelle einzugrenzen.
Brauche ich nach der Operation Gehstützen?
In den meisten Fällen wird in der Anfangsphase eine Teilbelastung an Gehstützen empfohlen. Die Dauer richtet sich nach dem Eingriff und dem Heilungsverlauf und wird von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt festgelegt.
Kann ich als Sportlerin oder Sportler zurück auf den Platz?
Die Rückkehr zum Sport wird anhand von Untersuchung und funktionellen Tests entschieden, nicht nach dem Kalender. Eingriff, Sportart und die zurückgewonnene Kraft der Hüftmuskulatur sind maßgeblich. Eine feste Zeitangabe wäre hier nicht seriös.
Erfordert ein FAI immer eine Operation?
Nein. Viele Menschen mit einer im Röntgen sichtbaren, für ein Impingement typischen Knochenform haben überhaupt keine Beschwerden. Die Behandlungsentscheidung richtet sich nach Beschwerden und Untersuchungsbefund, nicht nach dem Bild allein.
Wissenschaftliche Arbeiten
Assoc. Prof. Dr. Bertan Cengiz hat wissenschaftliche Arbeiten zu Hüftarthroskopie und verwandten Bereichen der arthroskopischen Chirurgie in nationalen und internationalen Fachzeitschriften mit Peer-Review veröffentlicht. Die Publikationsliste und überprüfbare wissenschaftliche Quellen finden Sie auf der Seite Publikationen.
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Die Angaben auf dieser Seite dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine persönliche ärztliche Untersuchung. Für Diagnose und Behandlung ist die klinische Beurteilung des Arztes erforderlich. Die Ergebnisse chirurgischer und medizinischer Eingriffe können von Person zu Person unterschiedlich sein; auf dieser Seite wird keine Zusage zu einem bestimmten Ergebnis oder Zeitraum gemacht.
