Beurteilung von Schmerzen im Hüftbereich (Symbolbild)

Hüftarthrose (Koxarthrose)

Die Hüftarthrose (Koxarthrose) ist die Ausdünnung des Knorpels im Hüftgelenk zusammen mit Veränderungen des gesamten Gelenks. Da die Hüfte ein tief liegendes Gelenk ist, werden die Beschwerden meist in der Leiste empfunden; deshalb kann sie mit Bandscheibenproblemen und Leistenerkrankungen verwechselt werden.

Was geschieht im Hüftgelenk?

Die Hüfte ist ein Kugelgelenk, bei dem der Kopf des Oberschenkelknochens in der Pfanne des Beckens sitzt. Wird der Knorpel dünner, verschmälert sich der Gelenkspalt, an den Rändern können knöcherne Anbauten entstehen und die Beweglichkeit nimmt ab. Der Bewegungsverlust fällt zuerst bei der Innendrehung auf — Betroffene beschreiben das als Schwierigkeit beim Anziehen von Socken oder Binden der Schuhe.

Die Arthrose kann primär (ohne erkennbare Ursache) oder sekundär sein — etwa nach Hüftdysplasie, femoroazetabulärem Impingement, Hüfterkrankungen im Kindesalter, einem Hüftbruch oder einer Hüftkopfnekrose.

Schmerzen im Hüftbereich und Untersuchung (Symbolbild)

Beschwerden

Diagnostik

  1. Anamnese: Ort des Schmerzes, auslösende Bewegungen, Gehstrecke, nächtliche Schmerzen.
  2. Körperliche Untersuchung: Beweglichkeit der Hüfte (besonders die Innendrehung), Gangbild, Beinlängendifferenz und Kraft der umgebenden Muskulatur.
  3. Röntgen: eine Beckenaufnahme im Stehen ist die Grundlage der Diagnose; sie zeigt Gelenkspalt, knöcherne Anbauten und Achsverhältnisse.
  4. MRT: im Frühstadium, bei Verdacht auf eine Hüftkopfnekrose oder bei Labrum- und Knorpelschäden.

Bei Leistenschmerz ist die Differenzialdiagnose wichtig: Bandscheibenvorfall der Lendenwirbelsäule, Leistenbruch, Sehnenprobleme rund um die Hüfte und sportbedingte Leistenschmerzen können ähnliche Beschwerden verursachen.

Behandlung

Nicht operative Behandlung

Im frühen und mittleren Stadium werden Gewichtskontrolle, ein Übungsprogramm für Hüft- und Rumpfmuskulatur, Anpassung der Belastung und Schmerzbehandlung eingesetzt. Gehen, Radfahren und Übungen im Wasser erhalten die Beweglichkeit, ohne das Gelenk zu belasten. Bei Bedarf senkt ein Gehstock auf der Gegenseite die Hüftbelastung deutlich.

Hüftendoprothese

Eine Hüftprothese kommt in fortgeschrittenen Fällen in Betracht, die den Alltag deutlich einschränken, nächtliche Schmerzen verursachen und auf die nicht operative Behandlung nicht ansprechen. Die geschädigten Gelenkflächen werden durch künstliche Oberflächen ersetzt. In die Entscheidung fließen Schmerzstärke, Funktionsverlust, Bildbefunde, Alter, Aktivitätsniveau und Begleiterkrankungen gemeinsam ein. Siehe: Endoprothetik.

Bevor eine Arthrose entsteht

Strukturelle Probleme wie ein femoroazetabuläres Impingement oder ein Labrumriss können, wenn sie vor dem Fortschreiten der Arthrose erkannt werden, mit einer Hüftarthroskopie behandelt werden. Bei bereits deutlicher Arthrose sinkt der zu erwartende Nutzen einer Arthroskopie.

Hinweise für den Alltag

Wann sollten Sie sich vorstellen?

Wann Sie unverzüglich ärztliche Hilfe suchen sollten

Diese Befunde erfordern eine dringende Abklärung. Außerhalb der Sprechzeiten wenden Sie sich an die nächste Notaufnahme.

Häufig gestellte Fragen

Warum strahlt mein Hüftschmerz ins Knie aus?

Die Nerven des Hüftgelenks teilen sich Bahnen mit der Vorderseite des Oberschenkels und der Knieregion, deshalb kann ein von der Hüfte ausgehender Schmerz im Knie empfunden werden. Bei anhaltenden Knieschmerzen mit unauffälliger Knieuntersuchung muss die Hüfte beurteilt werden.

Wie lange hält eine Hüftprothese?

Die Standzeit hängt von Alter, Aktivitätsniveau, Gewicht, Knochenqualität und den verwendeten Komponenten ab. Eine einzelne Zahl anzugeben, wäre daher nicht richtig. Gewichtskontrolle und gelenkschonende Aktivitäten verringern die Belastung der Prothese.

Wie lange soll ich mit der Operation warten?

Die Entscheidung richtet sich nicht nach dem Alter, sondern danach, wie sehr Schmerz und Funktionsverlust den Alltag beeinträchtigen. Zu langes Warten kann zu Muskelabbau und Bewegungseinschränkung führen und die spätere Erholung erschweren; dieses Gleichgewicht wird in der Untersuchung beurteilt.

Behandelt die Hüftarthroskopie eine Arthrose?

Nein. Die Arthroskopie kommt bei strukturellen Problemen vor Entstehung einer Arthrose in Betracht (Impingement, Labrumriss). Bei deutlicher Arthrose bringt sie nicht den erhofften Nutzen.

Ist ein Gehstock ein Zeichen von Schwäche?

Nein; richtig eingesetzt ist er ein wirksames Hilfsmittel, das die Hüftbelastung deutlich senkt. Wichtig ist, dass der Stock in der Hand der Gegenseite geführt wird.

Sind Schwimmen und Radfahren geeignet?

Ja; beide sind gelenkschonende Aktivitäten, die Beweglichkeit und Muskelkraft erhalten, ohne das Gelenk zu belasten. Steigern Sie Ihr Programm schrittweise und innerhalb der Schmerzgrenze.

Wissenschaftliche Arbeiten

Assoc. Prof. Dr. Bertan Cengiz hat wissenschaftliche Arbeiten zu Hüftendoprothetik und degenerative Gelenkerkrankungen und verwandten Bereichen in nationalen und internationalen Fachzeitschriften mit Peer-Review veröffentlicht. Die Publikationsliste und überprüfbare Quellen finden Sie auf der Seite Publikationen.

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Inhaltlich verantwortlich: Doç. Dr. Bertan Cengiz · Zuletzt aktualisiert: 08.08.2026
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