
Kniearthrose (Gonarthrose)
Die Kniearthrose (Gonarthrose) ist die allmähliche Ausdünnung des Knorpels auf den Gelenkflächen zusammen mit Veränderungen des gesamten Gelenks. Sie ist nicht einfach «Abnutzung», sondern ein Prozess, der Knorpel, Knochen, Gelenkinnenhaut und die umgebende Muskulatur gemeinsam betrifft. Sie kann fortschreiten, doch die Geschwindigkeit ist von Person zu Person sehr unterschiedlich und lässt sich durch Behandlung verlangsamen.
Was geschieht im Gelenk?
Gesunder Knorpel lässt die Gelenkflächen nahezu reibungsfrei gleiten. Bei einer Arthrose wird dieses Gewebe dünner, seine Oberfläche unregelmäßig und seine Belastbarkeit geringer. Als Reaktion können sich an den Rändern knöcherne Anbauten (Osteophyten) bilden, die Gelenkinnenhaut kann sich zeitweise entzünden und Flüssigkeit bilden, und die Oberschenkelmuskulatur wird schwächer.
Ein wichtiger Punkt: Der Arthrosegrad im Röntgenbild stimmt nicht immer mit der Stärke der Schmerzen überein. Manche Menschen mit fortgeschrittenem Röntgenbefund haben kaum Beschwerden, andere mit geringem Befund deutliche Schmerzen. Die Behandlung wird deshalb nach Beschwerden und Funktion geplant, nicht nach dem Bild.

Beschwerden
- Knieschmerz, der bei Belastung zunimmt und in Ruhe nachlässt
- Morgensteifigkeit — meist kürzer als eine halbe Stunde
- Schwierigkeiten beim Treppensteigen und Hinhocken
- Schmerz und Steifigkeit bei den ersten Schritten nach langem Sitzen
- Schwellung, Überwärmung und zeitweise Flüssigkeitsansammlung im Knie
- In späteren Stadien eine Achsabweichung des Knies (nach innen oder außen) und eine kürzere Gehstrecke
Risikofaktoren
- Gewicht: erhöht die Belastung des Knies unmittelbar und ist der wirksamste beeinflussbare Faktor.
- Alter und genetische Veranlagung
- Frühere Meniskus- oder Bandverletzungen, gelenknahe Brüche
- Schwäche der kniegelenknahen Muskulatur, insbesondere des Oberschenkelmuskels
- Achsfehlstellungen (Varus/Valgus)
- Tätigkeiten mit schwerer, wiederholter Hock- und Knielast
Diagnostik
- Anamnese und Untersuchung: Art des Schmerzes, Beweglichkeit, Beinachse, Gelenkerguss, Muskelkraft und Gangbild.
- Röntgen im Stehen: aussagekräftiger als eine Aufnahme im Liegen, weil der Gelenkspalt unter Last dargestellt wird.
- MRT: nicht routinemäßig erforderlich; wird bei zusätzlichen Fragestellungen wie Meniskus- oder Knorpelschaden oder Blockierungen veranlasst.
Behandlung
Die Grundlage: Bewegung und Gewichtskontrolle
Die Basis der Behandlung ist Muskelkräftigung und regelmäßige Bewegung. Die Kräftigung des Oberschenkelmuskels verringert die Gelenkbelastung und kann den Schmerz deutlich beeinflussen. Gelenkschonende Aktivitäten wie Gehen, Radfahren und Schwimmen werden empfohlen; völlige Bewegungsarmut verschlechtert die Gelenkgesundheit.
Eine Gewichtsabnahme gehört zu den Maßnahmen mit der am besten belegten Wirkung auf Schmerz und Funktion; schon eine geringe Reduktion senkt die Kniebelastung deutlich.
Begleitende Maßnahmen
- Schmerzbehandlung — Auswahl und Dauer der Medikation legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest
- Physiotherapie und Beweglichkeitsübungen
- Geeignetes Schuhwerk und bei Bedarf ein Gehstock (auf der Gegenseite geführt) oder eine Knieorthese
- In ausgewählten Fällen Injektionsbehandlungen in das Gelenk
Operative Möglichkeiten
Eine Operation kommt in Betracht, wenn der Alltag deutlich eingeschränkt ist, nächtliche Schmerzen bestehen und die nicht operative Behandlung nicht ausreichend anspricht.
- Endoprothese: Ersatz der geschädigten Gelenkflächen durch künstliche Oberflächen. Es kann das gesamte Knie oder nur der betroffene Abschnitt (Teilprothese) versorgt werden. Siehe: Endoprothetik.
- Korrigierende Umstellungsosteotomie: kann bei jüngeren Patientinnen und Patienten mit Achsfehlstellung und auf einen Abschnitt begrenzter Arthrose eingesetzt werden, um die Last auf die gesunde Seite zu verlagern.
Die Arthroskopie ist keine Behandlung der Arthrose. Bei fortgeschrittener Erkrankung bringt sie nicht den erhofften Nutzen; sie kommt allenfalls bei einem mechanischen Problem mit Blockierung in Betracht.
Was hilft im Alltag?
- Regelmäßige Bewegung innerhalb der Schmerzgrenze — der Ansatz „wenn es wehtut, benutze ich es gar nicht“ verschlechtert die Lage
- Nicht lange in derselben Haltung verharren; stündlich aufstehen und einige Schritte gehen
- Hock- und Knietätigkeiten reduzieren; einen hohen, stabilen Stuhl wählen
- Wo möglich Rampe oder Aufzug statt Treppe nutzen
- Gewichtskontrolle und regelmäßiger Schlaf
Wann sollten Sie sich vorstellen?
- Wenn der Schmerz nachts Ihren Schlaf unterbricht
- Wenn sich Ihre Gehstrecke deutlich verkürzt hat
- Bei wiederkehrender Schwellung und Flüssigkeitsansammlung im Knie
- Wenn eine sichtbare Achsabweichung entstanden ist
- Wenn die Beschwerden trotz Bewegung und Schmerzbehandlung anhalten
Wann Sie unverzüglich ärztliche Hilfe suchen sollten
- Rötung, Überwärmung und starke Schmerzen im Knie zusammen mit Fieber (Hinweis auf eine Gelenkinfektion)
- Plötzliche starke Schmerzen, die eine Belastung unmöglich machen
- Sichtbare Fehlstellung nach einer Verletzung
- Einseitiger Schmerz, Schwellung und Druckempfindlichkeit in der Wade
Diese Befunde erfordern eine dringende Abklärung. Außerhalb der Sprechzeiten wenden Sie sich an die nächste Notaufnahme.
Häufig gestellte Fragen
Ist Arthrose umkehrbar?
Ausgedünnten Knorpel mit den heutigen Verfahren in den früheren Zustand zurückzuversetzen, ist nicht möglich. Das bedeutet jedoch nicht „man kann nichts tun“: Muskelkräftigung, Gewichtskontrolle und Schmerzbehandlung können die Beschwerden deutlich verringern und das Fortschreiten verlangsamen.
Schadet Gehen meinem Knie?
Nein, im Gegenteil: Regelmäßiges Gehen innerhalb der Schmerzgrenze wird empfohlen. Bewegungsmangel führt zu Muskelabbau und Gelenksteife, was die Beschwerden verstärkt. Belastend sind langes Hocken, Knien und stoßintensive Aktivitäten.
Soll ich mit der Prothese „warten, bis ich älter bin“?
Die Entscheidung richtet sich nicht allein nach dem Alter; wie stark der Schmerz den Alltag einschränkt, nächtliche Schmerzen, Gehstrecke und das Ansprechen auf die nicht operative Behandlung werden gemeinsam beurteilt. Ziel ist, weder zu früh noch zu spät zu operieren; das wird anhand von Untersuchung und Bildgebung eingeschätzt.
Wirken Injektionen ins Gelenk?
Bei ausgewählten Patientinnen und Patienten können sie die Beschwerden lindern; sie bauen jedoch keinen Knorpel auf, und ihre Wirkung ist individuell unterschiedlich. Welche Behandlung für Sie geeignet ist, beurteilt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt anhand des klinischen Bildes.
Sind Präparate wie Glucosamin sinnvoll?
Die Datenlage zu diesen Produkten wird kontrovers diskutiert und die Ergebnisse sind uneinheitlich. Wenn Sie eine Einnahme erwägen, ist eine Rücksprache wegen möglicher Wechselwirkungen mit Ihrer bestehenden Medikation sinnvoll.
Soll ich eine Knieorthese tragen?
Eine Orthese kann bei manchen Menschen Halt und Sicherheit geben. Sie ersetzt jedoch die Muskelkräftigung nicht, und dauerhaftes Tragen kann die Muskelaktivität verringern. Entscheidung und Modell sollten individuell festgelegt werden.
Wissenschaftliche Arbeiten
Assoc. Prof. Dr. Bertan Cengiz hat wissenschaftliche Arbeiten zu Knieendoprothetik und degenerative Gelenkerkrankungen und verwandten Bereichen in nationalen und internationalen Fachzeitschriften mit Peer-Review veröffentlicht. Die Publikationsliste und überprüfbare Quellen finden Sie auf der Seite Publikationen.
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