
Osteoporosebedingte Brüche
Osteoporose ist eine Abnahme von Knochendichte und Strukturqualität, die den Knochen zerbrechlich macht. Sie verläuft stumm; häufig ist das erste Zeichen ein Bruch. Ein Bruch nach einem Sturz aus geringer Höhe — etwa aus dem Stand — ist eine wichtige Warnung und Anlass zur Abklärung.
Die häufigsten Brüche
- Wirbelkörperbrüche (Sinterungsbrüche): entstehen mitunter ohne erkennbaren Sturz, beim Vorbeugen oder Heben
- Hüftbrüche: die Gruppe, die die Selbstständigkeit älterer Menschen am stärksten beeinträchtigt
- Handgelenkbrüche: durch Sturz auf die ausgestreckte Hand; häufig der erste Bruch
- Brüche von Oberarm und Rippen
Zwischen diesen Brüchen besteht eine Kette: Wer einen Bruch erlitten hat, trägt ein deutlich höheres Risiko für einen zweiten. Deshalb ist die Beurteilung der Knochengesundheit nach dem ersten Bruch ebenso wichtig wie die Bruchbehandlung selbst.
Risikofaktoren
- Höheres Lebensalter und die Zeit nach den Wechseljahren
- Hüftbrüche in der Familie
- Niedriges Körpergewicht, unzureichende Ernährung, Vitamin-D-Mangel
- Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum
- Bewegungsmangel
- Langfristige Kortisontherapie und bestimmte Erkrankungen (rheumatisch, endokrin, Resorptionsstörungen)
- Sturzfördernde Umstände: Gleichgewichtsstörungen, eingeschränktes Sehen, Mehrfachmedikation, Stolperfallen zu Hause
Beschwerden
Die Osteoporose selbst verursacht keine Schmerzen. Beschwerden treten meist erst beim Bruch auf. Bei Wirbelkörperbrüchen kann das Bild schleichend sein:
- Größenabnahme (über Jahre einige Zentimeter)
- Zunehmende Rundrückenbildung
- Ohne erkennbare Verletzung beginnender, bewegungsabhängiger Rückenschmerz
- Unfähigkeit, lange zu stehen
Diagnostik
- Anamnese und Untersuchung: Brüche nach geringer Krafteinwirkung, Größenverlust, Medikamente, Sturzrisiko.
- Knochendichtemessung (DXA): Grundlage für Diagnose und Verlaufskontrolle.
- Röntgen: zur Darstellung des Bruchs und zur Beurteilung von Wirbelsinterungen.
- MRT / CT: wenn das Alter eines Bruchs bestimmt oder unklare Befunde geklärt werden müssen.
- Laboruntersuchungen: Vitamin D, Kalzium und Abklärung anderer Ursachen des Knochenverlusts.
Die Behandlung der Osteoporose erfolgt häufig fachübergreifend; eine gemeinsame Beurteilung mit Endokrinologie, physikalischer Medizin und Innerer Medizin kann erforderlich sein.
Behandlung
Behandlung des Bruchs
Je nach Ort und Art des Bruchs, Knochenqualität und Allgemeinzustand kommen Gips- oder Schienenbehandlung mit Verlaufskontrolle oder eine operative Stabilisierung in Betracht. Bei Hüftbrüchen ist die allgemeine Ausrichtung ein Behandlungsplan, der die frühe Mobilisation ermöglicht; längere Bettruhe bringt andere Probleme mit sich.
Ein erheblicher Teil der Wirbelkörperbrüche wird ohne Operation behandelt: Schmerzkontrolle, schrittweise Mobilisation und bei Bedarf ein Korsett. In ausgewählten hartnäckigen Fällen können eingreifende Verfahren erwogen werden.
Behandlung des Knochens — der eigentliche Punkt
Die Versorgung des Bruchs allein genügt nicht; um einen zweiten Bruch zu verhindern, muss die Knochengesundheit behandelt werden.
- Beurteilung und Ausgleich von Kalzium- und Vitamin-D-Status
- Bei geeigneten Personen eine knochenschützende medikamentöse Therapie — Auswahl und Dauer legt die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt fest
- Belastende Bewegung und Gleichgewichtstraining — wirken sowohl auf den Knochen als auch auf das Sturzrisiko
- Rauchstopp und Verzicht auf übermäßigen Alkohol
- Senkung des Sturzrisikos: Anpassungen im Wohnraum, Sehkontrolle, Überprüfung der Medikamente
Stürze vermeiden: was zu Hause hilft
- Rutschende Teppiche entfernen oder befestigen; keine Kabel auf dem Boden
- Haltegriffe in Bad und WC anbringen, rutschfeste Matten verwenden
- Eine Lampe bereithalten, die nachts den Weg beleuchtet
- Statt Pantoffeln geschlossene Schuhe mit rutschfester Sohle bevorzugen
- Brillenstärke und schwindelfördernde Medikamente regelmäßig überprüfen lassen
- Gleichgewichts- und Kraftübungen in den Wochenplan aufnehmen
Wann sollten Sie sich vorstellen?
- Wenn Sie durch eine geringe Krafteinwirkung (etwa einen Sturz aus dem Stand) einen Bruch erlitten haben
- Wenn Sie eine deutliche Größenabnahme oder einen Rundrücken bemerken
- Wenn Sie ohne Verletzung beginnende, bewegungsabhängige Rückenschmerzen haben
- Wenn Sie nach den Wechseljahren nie eine Knochendichtemessung hatten
- Wenn Sie eine langfristige Kortisontherapie erhalten
Wann Sie unverzüglich ärztliche Hilfe suchen sollten
- Nach einem Sturz ist die Hüfte nicht belastbar, das Bein erscheint verkürzt und nach außen gedreht (Verdacht auf Hüftbruch)
- Kraftverlust in den Beinen, Taubheit oder Veränderung der Blasen- und Darmkontrolle (mögliche Rückenmarkkompression)
- Starke Rückenschmerzen zusammen mit Fieber, Gewichtsverlust oder einer Krebserkrankung in der Vorgeschichte
- Kältegefühl, Farbveränderung oder fehlender Puls im Bruchbereich
Diese Befunde erfordern eine dringende Abklärung. Außerhalb der Sprechzeiten wenden Sie sich an die nächste Notaufnahme.
Häufig gestellte Fragen
Verursacht Osteoporose Schmerzen?
Die Osteoporose selbst verursacht keine Schmerzen; sie verläuft stumm. Schmerzen treten meist erst beim Bruch auf. Deshalb wird bei Risikopersonen eine Abklärung empfohlen, ohne Beschwerden abzuwarten.
Ich hatte einen Bruch — kommt ein zweiter?
Ein durchgemachter Bruch erhöht das Risiko für einen zweiten deutlich. Deshalb sind neben der Bruchbehandlung die Beurteilung der Knochengesundheit und die Senkung des Sturzrisikos wichtig.
Reichen Kalzium und Vitamin D?
Sie sind Teil der Behandlung, genügen bei den meisten jedoch nicht allein. Bei geeigneten Personen kommt eine knochenschützende medikamentöse Therapie in Betracht; Auswahl und Dauer legt die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt fest.
Welche Übungen soll ich machen?
Empfohlen werden belastende (gewichttragende) Bewegung und Gleichgewichtstraining; Gehen, kontrolliertes Krafttraining und Balanceübungen sind Beispiele. Bei Wirbelsinterungen werden Vorbeugen und Rumpfdrehungen sorgfältig geplant.
Muss ein Hüftbruch immer operiert werden?
Bei der großen Mehrheit der Hüftbrüche ist das Ziel die frühe Mobilisation, was in der Regel durch eine operative Stabilisierung erreicht wird. In die Entscheidung fließen Bruchtyp, Knochenqualität und Allgemeinzustand gemeinsam ein.
Heilt ein Wirbelkörperbruch ohne Operation?
Ein erheblicher Teil dieser Brüche wird ohne Operation behandelt — mit Schmerzkontrolle, schrittweiser Mobilisation und bei Bedarf einem Korsett. Bei hartnäckigen Schmerzen oder neurologischen Befunden werden andere Möglichkeiten geprüft.
Wissenschaftliche Arbeiten
Assoc. Prof. Dr. Bertan Cengiz hat wissenschaftliche Arbeiten zu Traumachirurgie und Frakturbehandlung und verwandten Bereichen in nationalen und internationalen Fachzeitschriften mit Peer-Review veröffentlicht. Die Publikationsliste und überprüfbare Quellen finden Sie auf der Seite Publikationen.
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