
Trauma und Frakturbehandlung
Ziel der Frakturbehandlung ist nicht allein die knöcherne Heilung, sondern die Wiedererlangung der Funktion, die vor dem Bruch bestand. Der Behandlungsplan berücksichtigt deshalb neben dem Knochen auch die umgebenden Weichteile, die Gelenkbeweglichkeit und die Alltagsanforderungen.
Wie wird entschieden?
Nicht jeder Bruch erfordert eine Operation, und nicht jeder lässt sich im Gips behandeln. Maßgeblich sind vor allem:
- Ort des Bruchs: Gelenkbeteiligende Brüche werden anders behandelt, da die Gelenkfläche exakt wiederhergestellt werden muss
- Ausmaß der Verschiebung und die Achsstellung
- Ob der Bruch mehrfragmentär ist
- Zustand der Weichteile: offener Bruch, starke Schwellung oder ein Hautproblem verändern den Zeitpunkt
- Knochenqualität: eine Osteoporose beeinflusst das Stabilisierungsverfahren
- Alter, Begleiterkrankungen und funktionelle Erwartungen
Behandlungsmöglichkeiten
Nicht operative Behandlung
Bei wenig verschobenen, stabilen Brüchen mit akzeptabler Stellung wird mit Gips oder Schiene behandelt. Regelmäßige Kontrollen sind dabei wichtig: Ein Bruch kann sich in den ersten Wochen verschieben, und mit dem Rückgang der Schwellung passt der Gips nicht mehr genau. Ausführlich: Ratgeber zu Gips und Schiene.
Operative Behandlung
Eine operative Stabilisierung kommt bei deutlicher Verschiebung, gestörter Gelenkfläche, instabilen Brüchen oder wenn frühe Bewegung und Belastung erforderlich sind in Betracht. Je nach Bruchform stehen Platten und Schrauben, Marknägel und äußere Stabilisierung zur Auswahl.
Bei Hüftbrüchen älterer Menschen ist die allgemeine Ausrichtung ein Plan, der die frühe Mobilisation ermöglicht; längere Bettruhe bringt Probleme an Lunge, Kreislauf und Haut mit sich.
Was die Heilung beeinflusst
- Rauchen: einer der stärksten beeinflussbaren Faktoren mit ungünstiger Wirkung auf die Bruchheilung
- Diabetes und Ernährungszustand
- Vitamin-D- und Kalziumstatus
- Zustand von Weichteilen und Durchblutung im Bruchbereich
- Mitarbeit beim Behandlungsplan und bei den Belastungsvorgaben
Steifigkeit nach einem Bruch: das stille Problem
Ein häufig übersehenes Thema ist die Gelenksteife und der Muskelabbau, die nach der knöchernen Heilung zurückbleiben. Besonders nach Brüchen an Handgelenk, Ellenbogen und Schulter kann die Rückgewinnung der Beweglichkeit länger dauern als die Heilung des Knochens.
Der Behandlungsplan legt deshalb auch fest, welche Gelenke unmittelbar nach der Stabilisierung bewegt werden dürfen. Die vom Arzt freigegebenen Bewegungen regelmäßig auszuführen, ist für das Endergebnis entscheidend.
Einen zweiten Bruch verhindern
Ist ein Bruch durch eine geringe Krafteinwirkung entstanden — etwa durch einen Sturz aus dem Stand —, ist das ein Warnzeichen im Hinblick auf eine Osteoporose. Die Beurteilung der Knochengesundheit und die Senkung des Sturzrisikos sind ebenso wichtig wie die Behandlung des Bruchs.
Wann sollten Sie sich vorstellen?
- Wenn Sie nach einer Verletzung nicht belasten oder die Gliedmaße nicht benutzen können
- Bei sichtbarer Fehlstellung, starker Schwellung oder Blutergüssen
- Wenn die Schmerzen im Gips zunehmen statt abzunehmen
- Wenn an Fingern oder Zehen Taubheit, Kältegefühl oder Farbveränderung auftreten
- Wenn Ihre Gelenkbeweglichkeit trotz verheiltem Bruch eingeschränkt bleibt
Wann Sie unverzüglich ärztliche Hilfe suchen sollten
- Offener Bruch — der Knochen durchspießt die Haut oder es besteht eine offene Wunde im Bruchbereich
- Kältegefühl, Blässe, Gefühlsverlust oder fehlender Puls an der Gliedmaße
- Im Gips zunehmende, mit Medikamenten nicht beherrschbare Schmerzen und pralle Schwellung (Warnzeichen eines Kompartmentsyndroms)
- Bewusstseinsveränderung, Atemnot oder Bauchschmerzen nach schwerem Trauma
- Nach einem Sturz erscheint das Bein verkürzt und nach außen gedreht (Verdacht auf Hüftbruch)
Diese Befunde erfordern eine dringende Abklärung. Außerhalb der Sprechzeiten wenden Sie sich an die nächste Notaufnahme.
Häufig gestellte Fragen
Muss jeder Bruch operiert werden?
Nein. Bei wenig verschobenen, stabilen Brüchen mit akzeptabler Stellung genügt ein Gips oder eine Schiene. Eine Operation kommt bei deutlicher Verschiebung, gestörter Gelenkfläche, instabilen Brüchen und wenn frühe Bewegung nötig ist in Betracht.
Wie lange dauert die Heilung meines Bruchs?
Der Zeitraum hängt von Ort und Art des Bruchs, Alter, Knochenqualität und Begleiterkrankungen ab. Deshalb wird keine einheitliche Dauer genannt. Die Heilung wird mit Verlaufsaufnahmen beobachtet.
Warum bewegt sich mein Gelenk nach der Gipsabnahme nicht?
In einem ruhiggestellten Gelenk verkürzen sich Kapsel und Weichteile, die Muskeln werden schwächer. Das ist zu erwarten und wird mit einem schrittweisen Bewegungs- und Kräftigungsprogramm angegangen; der Prozess kann länger dauern als die knöcherne Heilung.
Beeinflusst Rauchen die Bruchheilung?
Ja. Rauchen gehört zu den stärksten beeinflussbaren Faktoren mit ungünstiger Wirkung auf die Bruchheilung. Ein Rauchstopp während der Heilungsphase wird besonders empfohlen.
Sollten Platten und Schrauben später entfernt werden?
Nicht immer. Die Entscheidung wägt Beschwerden, Lage des Implantats, Alter und Knochenzustand ab. Eine routinemäßige Entfernung wird nicht empfohlen.
Darf ich meine Finger im Gips bewegen?
Sofern Ihre Ärztin oder Ihr Arzt nichts anderes sagt, wird das Bewegen der außerhalb des Gipses liegenden Gelenke empfohlen; das verringert die Schwellung und beugt Steifigkeit vor. Nehmen Sie Kontakt auf, wenn die Schmerzen zunehmen oder Taubheit beginnt.
Wissenschaftliche Arbeiten
Assoc. Prof. Dr. Bertan Cengiz hat wissenschaftliche Arbeiten zu Traumachirurgie und Frakturbehandlung und verwandten Bereichen in nationalen und internationalen Fachzeitschriften mit Peer-Review veröffentlicht. Die Publikationsliste und überprüfbare Quellen finden Sie auf der Seite Publikationen.
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