
Frozen Shoulder (Adhäsive Kapsulitis)
Bei der Frozen Shoulder verdickt und schrumpft die Kapsel um das Schultergelenk, sodass die Beweglichkeit zunehmend eingeschränkt wird. Kennzeichnend ist: Nicht nur die eigene Bewegung, sondern auch die vom Arzt geführte Bewegung ist eingeschränkt. Das unterscheidet sie vom Rotatorenmanschettenriss und vom Impingement.
Was geschieht in der Schulter?
Die Kapsel um das Schultergelenk ist normalerweise locker und dehnbar, um den großen Bewegungsumfang zu ermöglichen. Bei der Frozen Shoulder beginnt in dieser Kapsel ein entzündlicher Prozess; sie verdickt sich und zieht sich zusammen. Das Gelenkvolumen nimmt ab, und der Arm lässt sich weder heben noch — vor allem — nach außen drehen.
Die Einschränkung der Außendrehung ist typisch: Betroffene können nicht nach hinten greifen, sich nicht kämmen, nicht in die Gesäßtasche fassen. Diese Einschränkung entsteht nicht durch Schmerz, sondern mechanisch, weil die Kapsel die Bewegung nicht zulässt.
Wer ist häufiger betroffen?
- Diabetes — der am stärksten verbundene Faktor; der Verlauf kann länger sein
- Schilddrüsenerkrankungen
- Eine Phase der Ruhigstellung der Schulter (Bruch, Operation, längeres Tragen einer Schlinge)
- Alter zwischen 40 und 60 Jahren
- Eine bereits durchgemachte Frozen Shoulder der anderen Schulter
Bei einer Gruppe von Betroffenen findet sich keine erkennbare Ursache; man spricht dann von einer primären (idiopathischen) Frozen Shoulder.
Drei Phasen
Die Frozen Shoulder verläuft in der Regel in drei aufeinanderfolgenden Phasen. Deren Dauer ist von Person zu Person deutlich unterschiedlich; deshalb wird auf dieser Seite keine Zeitangabe zugesagt.
- Schmerzphase (Einfrieren): Der Schmerz steht im Vordergrund und ist besonders nachts ausgeprägt. Die Beweglichkeit nimmt allmählich ab.
- Steifephase: Der Schmerz lässt etwas nach, die Bewegungseinschränkung ist jedoch am stärksten. Alltagstätigkeiten fallen in dieser Phase am schwersten.
- Auftauphase: Der Bewegungsumfang wird schrittweise zurückgewonnen.
Beschwerden
- Zunehmender Schmerz und Steifigkeit der Schulter
- Nachtschmerz, Unfähigkeit, auf der betroffenen Seite zu liegen
- Einschränkung beim seitlichen Heben des Armes
- Schwierigkeiten beim Nach-hinten-Greifen, Kämmen und Fassen in die Gesäßtasche
- Scharfer, plötzlicher Schmerz beim Erzwingen der Bewegung
Diagnostik
- Anamnese: Beginn der Beschwerden, Diabetes- und Schilddrüsenanamnese, eine mögliche Phase der Ruhigstellung.
- Untersuchung: Die gleichzeitige Einschränkung der aktiven und passiven Beweglichkeit ist der Leitbefund; besonders der Verlust der Außendrehung wird geprüft.
- Röntgen: meist unauffällig; dient dem Ausschluss anderer Ursachen wie Arthrose und Verkalkung.
- MRT: für die Diagnose nicht zwingend; wird bei Verdacht auf ein begleitendes Rotatorenmanschettenproblem veranlasst.
Die Differenzialdiagnose ist wichtig: Beim Rotatorenmanschettenriss und beim Impingement bleibt die passive Beweglichkeit in der Regel erhalten. Zugehöriger Beitrag: Schulterschmerzen: Rotatorenmanschettenriss, Impingement oder Frozen Shoulder?
Behandlung
Nicht operative Behandlung
Die Behandlung der Frozen Shoulder ist im Kern nicht operativ und erfordert Geduld. Ziel ist, den Schmerz zu beherrschen und die Beweglichkeit schrittweise zurückzugewinnen.
- Schmerzbehandlung — Auswahl und Dauer der Medikation legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest
- Regelmäßiges Dehnprogramm — besonders für Außendrehung und Anheben nach vorn
- Physiotherapie; Wärmeanwendung vor dem Dehnen kann es erleichtern
- In ausgewählten Fällen eine Injektion in das Gelenk — besonders in der Schmerzphase, um den Einstieg in die Übungen zu erleichtern
- Bei Diabetes: Beachtung der Blutzuckereinstellung
Sehr kraftvolles Dehnen weit über die Schmerzgrenze hinaus wird nicht empfohlen; es kann den entzündlichen Prozess anfachen und die Steifigkeit verstärken. Das Programm sollte regelmäßig und innerhalb der Schmerzgrenze durchgeführt werden.
Eingreifende Möglichkeiten
Wenn die Bewegungseinschränkung trotz eines lange durchgeführten Programms den Alltag weiterhin erheblich beeinträchtigt, können bei ausgewählten Personen die Mobilisation in Narkose oder eine arthroskopische Kapselspaltung in Betracht kommen. In die Entscheidung fließen Diabetes, Phase und funktionelle Anforderungen ein; die Fortführung des Dehnprogramms danach beeinflusst das Ergebnis unmittelbar.
Hinweise für den Alltag
- Dehnen Sie mehrmals täglich kurz und regelmäßig — statt einmal wöchentlich lange
- Nach einer warmen Dusche wird das Dehnen meist besser vertragen
- Legen Sie sich nicht auf die betroffene Seite; stützen Sie den Arm mit einem Kissen
- Den Arm gar nicht zu benutzen verstärkt die Steifigkeit; nutzen Sie ihn im Alltag innerhalb der Schmerzgrenze weiter
- Achten Sie bei Diabetes besonders auf Ihre Blutzuckereinstellung
Wann sollten Sie sich vorstellen?
- Wenn Ihre Schulterbeweglichkeit über Wochen zunehmend eingeschränkt wird
- Wenn Sie den Arm nicht nach außen drehen oder nach hinten greifen können
- Wenn Nachtschmerz Ihren Schlaf unterbricht
- Wenn Sie Diabetes haben und eine Schultersteife begonnen hat
- Wenn sich trotz Physiotherapie über Monate nichts bessert
Wann Sie unverzüglich ärztliche Hilfe suchen sollten
- Nach Sturz oder Schlag lässt sich der Arm überhaupt nicht heben, oder die Schulter ist sichtbar verformt
- Rötung, Überwärmung und starke Schmerzen der Schulter zusammen mit Fieber
- Kraftverlust im Arm zusammen mit Taubheit, Kribbeln und Kältegefühl
Diese Befunde erfordern eine dringende Abklärung. Außerhalb der Sprechzeiten wenden Sie sich an die nächste Notaufnahme.
Häufig gestellte Fragen
Heilt eine Frozen Shoulder von selbst aus?
Bei den meisten Betroffenen bessert sie sich im Laufe der Zeit deutlich; dieser Verlauf ist jedoch sehr unterschiedlich, und bei manchen bleibt eine gewisse Bewegungseinschränkung zurück. Ein regelmäßiges Dehnprogramm macht den Verlauf besser beherrschbar.
Warum kann ich besonders die Außendrehung nicht ausführen?
Der Kapselanteil, der am stärksten schrumpft, begrenzt die Außendrehung. Deshalb ist der Verlust der Außendrehung der typischste Befund und wird in der Untersuchung gezielt geprüft.
Ich habe Diabetes — verläuft es anders?
Bei Diabetes tritt die Frozen Shoulder häufiger auf, der Verlauf kann länger und das Ansprechen auf die Behandlung langsamer sein. Die Blutzuckereinstellung wird als Teil des Behandlungsprogramms betrachtet.
Die Übungen tun weh — soll ich weitermachen?
Ein leichtes, vorübergehendes Ziehen ist beim Dehnen zu erwarten; Schmerz, der zunimmt und bis zum nächsten Tag anhält, bedeutet jedoch eine zu hohe Belastung. Die Intensität sollte verringert und das Programm mit Ärztin, Arzt oder Physiotherapie überprüft werden.
Soll ich eine Injektion erhalten?
Eine Injektion kann besonders in der Schmerzphase die Beschwerden verringern und den Beginn des Dehnprogramms erleichtern. Sie ist keine alleinige Behandlung und nicht für jede Person geeignet; die Entscheidung trifft Ihre Ärztin oder Ihr Arzt anhand des klinischen Bildes.
Kann dasselbe an der anderen Schulter auftreten?
Bei Menschen, die an einer Schulter eine Frozen Shoulder hatten, ist das Auftreten an der anderen Schulter wahrscheinlicher als in der Allgemeinbevölkerung. Ein erneutes Einsteifen derselben Schulter ist seltener zu erwarten. Wichtig ist, die Beweglichkeit früh zu erhalten.
Wissenschaftliche Arbeiten
Assoc. Prof. Dr. Bertan Cengiz hat wissenschaftliche Arbeiten zu Schulterarthroskopie und Chirurgie der oberen Extremität und verwandten Bereichen in nationalen und internationalen Fachzeitschriften mit Peer-Review veröffentlicht. Die Publikationsliste und überprüfbare Quellen finden Sie auf der Seite Publikationen.
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