
Schnellender Finger (Tendovaginitis stenosans)
Beim schnellenden Finger bleibt die Beugesehne in ihrer Scheide hängen. Beim Beugen oder Strecken hakt der Finger an einer Stelle und löst sich dann ruckartig mit einem Schnappen. Von dieser abzugsartigen Bewegung hat das Krankheitsbild seinen Namen.
Warum entsteht das?
Die Beugesehnen der Finger verlaufen von der Hohlhand bis zur Fingerspitze in einer Scheide und werden in Abständen von ringbandartigen Strukturen (Pulleys) am Knochen gehalten. Verdickt sich die Sehne am ersten Ringband (A1) in der Hohlhand oder verengt sich die Scheide, muss die Sehne diese Engstelle mit Kraft passieren.
Die Folge sind Hängenbleiben, ruckartiges Lösen und Schmerz beim Beugen und Strecken. Die Beschwerden sind morgens meist ausgeprägter und können im Tagesverlauf mit Bewegung etwas nachlassen.
Risikofaktoren
- Diabetes — der am stärksten verbundene Faktor; mehrere Finger können betroffen sein
- Rheumatische Erkrankungen
- Wiederholte kraftvolle Greifbelastung
- Weibliches Geschlecht und Alter über 40 Jahre
- Karpaltunnelsyndrom oder Tendovaginitis de Quervain in der Vorgeschichte
Beschwerden
- Hängenbleiben des Fingers beim Beugen und Strecken mit ruckartigem Schnappen
- Druckschmerz und tastbarer Knoten in der Hohlhand auf Höhe des Fingergrundgelenks
- Morgensteifigkeit; der Finger ist beim Aufwachen gebeugt
- Im fortgeschrittenen Stadium Verriegelung in Beugestellung, das Strecken gelingt nur mit der anderen Hand
- Bei manchen Betroffenen wird der Schmerz in der Hohlhand und nicht an der Fingerspitze empfunden
Diagnostik
Die Diagnose wird aus Anamnese und Untersuchung gestellt. Druckschmerz und Knoten in der Hohlhand auf Höhe des Fingergrundgelenks sind tastbar, das Schnappen wird in der Untersuchung gezeigt. Bildgebung ist in der Regel nicht erforderlich; bei Verdacht auf ein anderes Problem oder untypischem Bild kann eine Ultraschalluntersuchung erfolgen.
In der Differenzialdiagnose werden Fingergelenkarthrose, Dupuytren-Kontraktur und rheumatische Erkrankungen berücksichtigt. Schnappen mehrerer Finger gleichzeitig sollte Anlass zur Abklärung eines Diabetes geben.
Behandlung
Nicht operative Behandlung
- Reduktion der auslösenden Greifbelastung und Anpassung des Handgebrauchs
- Nachtschiene — hält den Finger gestreckt und kann die Morgensteifigkeit verringern
- Sanfte Dehn- und Sehnengleitübungen
- Schmerzbehandlung
- Injektion in die Sehnenscheide — kann die Beschwerden bei vielen deutlich verringern; wiederholte Anwendungen werden sorgfältig abgewogen
Bei Diabetes ist von einer Injektion mitunter weniger Nutzen zu erwarten und ein vorübergehender Blutzuckeranstieg möglich; die Entscheidung wird deshalb individuell getroffen.
Operative Behandlung
Bei der Operation wird das enge Ringband gespalten, an dem die Sehne hängen bleibt. Sie kommt bei fehlendem Ansprechen auf die nicht operative Behandlung, bei wiederkehrenden Beschwerden und bei verriegeltem Finger in Betracht. Bleibt der Finger lange gebeugt, kann eine Gelenksteife entstehen; die Abklärung sollte deshalb nicht aufgeschoben werden.
Der frühe Beginn der Fingerbewegung nach dem Eingriff ist wichtig, um Verklebungen und Steifigkeit zu vermeiden. Die Ergebnisse sind von Person zu Person unterschiedlich.
Wann sollten Sie sich vorstellen?
- Wenn Ihr Finger beim Beugen oder Strecken hängen bleibt
- Wenn Sie morgens mit gebeugtem Finger aufwachen und ihn mit der anderen Hand strecken
- Wenn Sie in der Hohlhand am Fingergrund einen schmerzhaften Knoten spüren
- Wenn mehrere Finger dieselben Beschwerden zeigen
- Wenn sich Ihr Finger nicht mehr strecken lässt
Wann Sie unverzüglich ärztliche Hilfe suchen sollten
- Rötung, Überwärmung, ausgedehnte Schwellung und Fieber am Finger (Verdacht auf Infektion)
- Nach einer Schnittverletzung lässt sich der Finger nicht beugen oder strecken (mögliche Sehnendurchtrennung)
- Kältegefühl, Farbveränderung oder Gefühlsverlust am Finger
Diese Befunde erfordern eine dringende Abklärung. Außerhalb der Sprechzeiten wenden Sie sich an die nächste Notaufnahme.
Häufig gestellte Fragen
Heilt ein schnellender Finger von selbst aus?
In leichten Fällen können angepasster Handgebrauch und eine Schiene die Beschwerden zurückgehen lassen. Ist das Schnappen ausgeprägt und beginnt die Verriegelung, ist eine spontane Besserung weniger zu erwarten und eine Behandlung wird empfohlen.
Wie oft kann eine Injektion erfolgen?
Eine Injektion ist bei vielen Betroffenen wirksam; wiederholte Anwendungen werden jedoch im Hinblick auf das Sehnengewebe sorgfältig abgewogen. Über die Anzahl entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt nach dem klinischen Ansprechen.
Warum sind mehrere Finger betroffen?
Ein Schnappen mehrerer Finger kann besonders mit Diabetes und rheumatischen Erkrankungen zusammenhängen. In diesem Fall wird eine Abklärung von Begleiterkrankungen empfohlen.
Mein Finger ist verriegelt — soll ich abwarten?
Bleibt ein Finger lange gebeugt, kann eine Gelenksteife entstehen und die Beweglichkeit später schwerer zurückzugewinnen sein. Bei einer Verriegelung sollte die Abklärung nicht aufgeschoben werden.
Wann kann ich die Hand nach der Operation benutzen?
Mit der Fingerbewegung wird in der Regel früh begonnen; das ist wichtig, um Verklebungen und Steifigkeit zu vermeiden. Die Rückkehr zu kraftvoller Greifarbeit wird schrittweise geplant, und der Zeitrahmen ist individuell.
Der Daumen meines Kindes bleibt gebeugt — ist das dasselbe?
Die bei Kindern auftretende Daumensteife ist ein anderes Krankheitsbild und verläuft anders als beim Erwachsenen. Hier wird eine kinderorthopädische Beurteilung empfohlen.
Wissenschaftliche Arbeiten
Assoc. Prof. Dr. Bertan Cengiz hat wissenschaftliche Arbeiten zu Hand- und Handgelenkchirurgie und verwandten Bereichen in nationalen und internationalen Fachzeitschriften mit Peer-Review veröffentlicht. Die Publikationsliste und überprüfbare Quellen finden Sie auf der Seite Publikationen.
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